Tag 151 bis 156 – Fünf Tage im Naturdokumentarfilm: Die Galápagos-Kreuzfahrt

Kommen wir endlich zu einem absoluten Highlight unserer Reise – unserer Galápagos-Kreuzfahrt. Ehrlich gesagt hatten wir uns schon sehr darauf gefreut, aber dass sie unsere Erwartungen so deutlich übertreffen würde, damit hatten wir nicht gerechnet.

Am ersten Tag ging es mittags an Bord der Golondrina. Optisch erinnerte sie eher an einen alten Fischkutter als an eine schicke Yacht – deutlich kleiner, älter und rustikaler als die schicken Boote ringsherum. Aber genau das machte sie für uns auch sympathisch. Und ja: Sie war deutlich günstiger 😅. Nach einer kurzen Sicherheitseinweisung durften wir unsere Kabinen beziehen. Kuschelig trifft es ganz gut – mit Doppelstockbetten wie früher im Ferienlager. Dafür hatte jede Kabine ein eigenes Bad mit Dusche, was auf so einem kleinen Schiff definitiv Luxus ist. Außerdem war klar: Wir würden unsere Zeit sowieso hauptsächlich draußen verbringen.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt gingen wir auf der kleinen Isla Mosquera an Land. Schon beim Aussteigen wartete der erste Wow-Moment: überall Seelöwen, vor allem viele Babys, die neugierig am Strand herumlagen. Lange blieben wir aber nicht trocken, denn es ging nach kurzer Zeit für uns ins Wasser zum Schnorcheln. Und keine fünf Minuten später schwammen die ersten jungen Seelöwen zwischen uns hindurch. Sie waren unglaublich verspielt, drehten Pirouetten, stupsten uns vorsichtig an und schauten uns neugierig an. Anfangs waren wir noch etwas vorsichtig, aber schnell wich die Unsicherheit purer Begeisterung. Dieses Erlebnis allein hätte die Reise schon gerechtfertigt.

Danach begann allerdings die längste Fahrt der gesamten Kreuzfahrt: rund 13 Stunden über offenes Meer Richtung Isla Isabela. Es war ordentlich schaukelig, und Carina ging es leider nicht besonders gut – das Abendessen ließ sie aus. Aber nach diesem unfassbaren Start war das schnell verziehen.

Am zweiten Tag wachten wir vor der Nordküste von Isabela auf, genauer gesagt bei Punta Vicente Roca. Nach dem Frühstück ging es erstmal mit dem Beiboot entlang der steilen Vulkanfelsen. Wir entdeckten Mondfische, verschiedene Seelöwenarten, Nazca-Tölpel und natürlich die berühmten Blaufußtölpel. Sogar in eine kleine Höhle fuhren wir hinein. Danach ging es direkt vom Boot aus schnorcheln – und wir sahen zum ersten Mal Meeresschildkröten. Ruhig schwebten sie durchs Wasser, fraßen Algen oder lagen schlafend am Meeresboden. Außerdem beobachteten wir unseren ersten Meeresleguan beim Schwimmen. Dabei ziehen sie die Beine an und bewegen sich schlangenartig nur mit dem Schwanz fort – unglaublich spannend anzusehen. Das Wasser war trotz Neoprenanzug ziemlich kalt, aber zum Aufwärmen wartete Laura, das gute Herz an Bord, schon mit Tee und Snacks.

Inzwischen hatten wir uns mit allen Mitreisenden angefreundet: ein Schweizer Paar, ein Paar aus Neuseeland, eines aus Ecuador, ein junger Mann aus Israel und ein Reisender aus Irland. Als wir von unseren Plänen für Neuseeland erzählten, setzten sich die beiden Kiwis tatsächlich hin und schrieben uns eine zehnseitige Reiseroute mit Wanderungen, Aussichtspunkten, Cafés und Geheimtipps. Einfach großartig.

Am Nachmittag schnorchelten wir vor Punta Espinosa auf der Insel Fernandina. Und dieser Schnorchelgang war schlichtweg irre. Überall Meeresschildkröten, Meeresleguane beim Fressen unter Wasser, ein Pinguin schoss wie ein Torpedo an uns vorbei – und plötzlich tauchte auch noch ein Hai auf. Für uns der beste Schnorchelspot der gesamten Reise. Danach machten wir einen Rundgang über die Insel. Fernandina ist eine der ursprünglichsten Inseln des Archipels und Heimat der größten Population von Meeresleguanen. Die Männchen waren zur Paarungszeit leuchtend rot und grün gefärbt. Babyseelöwen spielten im flachen Wasser, während wir über schwarze Lavafelder liefen. Ein perfekter Tag.

Tag drei begann mit einer Wanderung in der Urbina Bay auf Isabela. Wir sahen Landschildkröten und Landleguane, bevor es wieder ins Wasser ging. Nachmittags wanderten wir bei Tagus Cove entlang eines alten, wassergefüllten Vulkankraters hinauf zu einem Aussichtspunkt. Von dort blickten wir über endlose Lavafelder bis hin zum Vulkan Wolf, dem höchsten Punkt der Galápagos-Inseln. Beim anschließenden Schnorcheln sahen wir Schildkröten, Kugelfische, einen Rochen und gleich mehrere Galápagos-Pinguine, die blitzschnell durchs Wasser schossen.

In der Nacht zu Tag vier wurde es wieder ordentlich schaukelig. Zum Glück half die Vomex diesmal gut, und Carina konnte ein paar Stunden schlafen. Am Morgen erkundeten wir die Küste der Insel Santiago. Zwischen den Lavafelsen spielten Felsrobben, etwas weiter lag wieder ein Seelöwen-Kindergarten. Beim Schnorcheln hatte ich dann ein etwas zu nahes Treffen mit einem Pelikan – zum Glück erwischte er nur meine Flosse. Im Wasser entdeckten wir Papageienfische und einen ziemlich großen Weißspitzen-Riffhai.

Am Nachmittag ging es weiter zur Insel Chinese Hat. Der Name kommt tatsächlich von der Form, die an einen traditionellen chinesischen Reishut erinnert. Nach einem kurzen Rundgang ging es erneut ins Wasser – diesmal mit unglaublich vielen Haien. In einer kleinen Höhle lagen mindestens fünf Haie schlafend nebeneinander. Auf der Rückfahrt wurden wir dann noch von Delfinen begleitet, die ein paar Kunststücke zeigten. Ein perfekter Abschluss dieses Tages.

Am fünften und letzten Tag besuchten wir noch die Charles-Darwin-Forschungsstation auf Santa Cruz. Hier werden Riesenschildkröten gezüchtet und aufgezogen, um die Populationen der verschiedenen Arten zu schützen. Sobald sie groß genug sind, werden die Jungtiere wieder in die Freiheit entlassen.

Und dann war sie vorbei – diese unfassbare Kreuzfahrt. Wir hätten nie gedacht, so viele Tiere so nah, so respektvoll und so intensiv erleben zu dürfen. Galápagos hat uns tief beeindruckt und demütig gemacht. Es ist ein echtes Privileg, diesen Ort erleben zu dürfen – und dafür sind wir unglaublich dankbar.

Tierische Grüße aus dem Paradies
Andi

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen