Oh du wunderschönes Galápagos – wo soll ich da nur anfangen? Eigentlich beginnt das Staunen schon lange bevor man richtig angekommen ist. Unser Flug landete auf der kleinen Insel Baltra, einem ehemaligen Militärflughafen, der heute das wichtigste Tor zu den Galápagos-Inseln ist. Schon auf der kurzen Busfahrt Richtung Fährhafen konnten wir die ersten einheimischen Tiere entdecken: große Landleguane, die hier ganz selbstverständlich am Straßenrand sitzen. Hier heißen sie übrigens Iguanas – und man merkt schnell: Auf Galápagos ist der Mensch eher Gast als Hauptdarsteller.
Am Fährhafen ging es raus aus dem Bus und rauf auf eine kleine Personenfähre. Und auch hier wartete direkt die nächste Tier-Show: Krabben auf den Lavasteinen, Fische im seichten Wasser, Pelikane und Blaufußtölpel auf der Jagd – und natürlich ein Seelöwe, der seelenruhig mitten auf dem Gehweg lag und sich von niemandem stören ließ. Typisch Galápagos eben.
Nach der kurzen Überfahrt ging es wieder in den Bus und quer über die Insel Santa Cruz bis in die Hafenstadt Puerto Ayora. Die Fahrt führte uns durchs grüne Hochland der Insel – ein totaler Kontrast zur kargen Küste. Hier grasen die berühmten Galápagos-Riesenschildkröten ganz entspannt auf Wiesen, oft zusammen mit Kühen und Pferden. Ein völlig surrealer Anblick und für die Einheimischen offenbar ganz normaler Alltag.
In Puerto Ayora angekommen, fielen wir erstmal nur noch müde ins Bett und holten ein paar Stunden Schlaf nach. Frisch und munter ging es später runter an den Hafen und zur Promenade – und dort ging das Staunen direkt weiter. Ein Seelöwe schlief auf einer Parkbank, Meeresleguane lagen wie Deko-Elemente auf dem Gehweg, im Wasser zog ein Rochen seine Bahnen und im Hafenbecken konnten wir tatsächlich mehrere Weißspitzen-Riffhaie entdecken. Und das alles mitten in der Stadt. Wir konnten kaum fassen, wie viel wir allein an diesem ersten Tag schon gesehen hatten.
Für fünf Tage hatten wir Zeit, Santa Cruz auf eigene Faust zu erkunden, bevor es für uns auf eine Last-Minute-Kreuzfahrt ging. Die hatten wir mit ordentlich Rabatt gebucht – aber davon erzähle ich euch im nächsten Artikel. Jetzt erstmal zu unseren Tagen auf Santa Cruz.
Am zweiten Tag sind wir früh losgelaufen zum Playa Tortuga Bay. Der Weg führt etwa 30 Minuten durch eine karge Lava-Landschaft mit Kakteen und niedrigen Bäumen. Und dann liegt er plötzlich vor einem: ein endlos langer, weißer Sandstrand wie aus dem Bilderbuch. Wir sind barfuß durchs seichte Wasser spaziert, mussten aber schnell feststellen, dass hier starke Strömungen und Wellen herrschen. Also ging es weiter zur geschützten Lagune nebenan. Ruhiges, kristallklares Wasser, perfekt zum Schwimmen. Auf den Lavasteinen sonnten sich Meeresleguane, ein Pelikan putzte sich im Baum und überall hüpften kleine Darwin-Finken herum, immer auf der Suche nach ein paar Krümeln. Es war einfach nur traumhaft.
Mittags zog es uns zurück in die Stadt. Ein paar Straßen hinter der Promenade reiht sich ein Restaurant ans nächste, viele mit günstigen Mittagsmenüs. Für uns gab es fast täglich frischen Fisch, Garnelen – und ab und zu sogar Hummer. Kulinarisch lebt man hier definitiv nicht schlecht.
Am dritten Tag ging es ins Hochland zur Rancho Frontier. Gleich am Eingang begrüßte uns eine riesige Santa-Cruz-Riesenschildkröte. Bei einer geführten Tour erfuhren wir viel über die Entstehung der Inseln, die Tierwelt und den Naturschutz. Besonders spannend: Aus einer Ursprungsart entwickelten sich auf den verschiedenen Inseln 15 unterschiedliche Riesenschildkrötenarten, von denen leider bereits 3 ausgestorben sind. Teilweise existieren sogar mehrere Arten auf einer einzigen Insel, getrennt durch unüberwindbare Lavafelder. Die vulkanische Herkunft der Inseln ist überall spürbar – sogar unter der Erde. Auf der Ranch konnten wir durch einen Lavatunnel laufen, mit mehreren Metern Deckenhöhe. Dort zu stehen, wo einst glühende Lava floss, war ziemlich beeindruckend. Auch wenn wir an diesem Tag gar nicht so viele Schildkröten gesehen haben, war der Ausflug trotzdem schön und lehrreich.
Am vierten Tag setzten wir mit einem Taxi-Boot über zu Las Grietas und zum Playa de los Alemanes („Strand der Deutschen“). Las Grietas sind tiefe Felsspalten, in denen sich Meerwasser sammelt – perfekt zum Schnorcheln. Wir sahen einige Fische, aber ehrlich gesagt war das nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns später noch erwarten sollte. Danach ließen wir es uns am Strand gut gehen und genossen die Sonne und die frische Meeresbrise. Natürlich nicht ohne tierische Gesellschaft: Meeresleguane und kleine Enten spazierten neugierig an uns vorbei.
Am fünften Tag wollten wir es nochmal wissen und fuhren ins Hochland zur Rancho El Chato. Mit dem öffentlichen Bus ging es bis ins Dorf Santa Rosa, von dort aus zu Fuß weiter. Schon auf dem Weg begegneten uns gefühlt dutzende Riesenschildkröten – und auf der Ranch dann noch viel mehr. Es fühlte sich an wie der Himmel für Schildkrötenfans. Carina konnte gar nicht mehr aufhören zu fotografieren. Dieses Mal liefen wir ohne Führung über das Gelände, ganz in unserem eigenen Tempo. Ein lang gehegter Traum von Carina ging hier endgültig in Erfüllung.
Am sechsten Tag machten wir uns schließlich auf den Weg zum Treffpunkt unserer Kreuzfahrt. Mehr verrate ich noch nicht – nur so viel: Die schaukelige Überfahrt und leichte Seekrankheit haben sich mehr als gelohnt.
Paradiesische Grüße
Andi