Tag 157 bis 164 – Weihnachten im Sommer – unser Start in Australien

Nach rund 28 Stunden Reisezeit von Santiago de Chile bis nach Cairns kamen wir ziemlich erledigt an. Zwar hatten wir im Flieger ein paar Stunden schlafen können, aber die Zeitverschiebung von über 15 Stunden hat uns ordentlich durcheinandergewirbelt. Der Körper wusste einfach nicht mehr, ob er jetzt Kaffee oder Schlaf braucht – wahrscheinlich beides gleichzeitig.

Als Erstes holten wir unser Auto ab und besorgten uns etwas zu essen. Danach war eigentlich ein schönes, ausgedehntes Mittagsschläfchen geplant, um dem Jetlag wenigstens ein bisschen entgegenzuwirken. Eigentlich. Denn bevor wir uns hinlegen wollten, habe ich noch kurz meine E-Mails gecheckt – und dabei fast einen kleinen Herzinfarkt bekommen. Bei der Autovermietung war offenbar ein Premium-Versicherungspaket dazugebucht worden, das doppelt so teuer war wie die eigentliche Miete. Das ließ uns natürlich keine Ruhe. Also schleppten wir uns, immer noch völlig übermüdet, zurück zur Vermietung. Zum Glück ließ sich alles problemlos klären und das Paket wurde storniert. Erst danach konnten wir wirklich abschalten – und endlich ein paar Stunden tief schlafen.

Am nächsten Tag fühlten wir uns wie ausgewechselt. Cairns begrüßte uns mit tropischer Wärme, Palmen und dieser entspannten australischen Atmosphäre. Wir starteten gemütlich im Botanischen Garten, der überraschend groß ist und einen tollen Einblick in die tropische Pflanzenwelt Nord-Queenslands bietet. Danach ging es in die Stadt zu den Rusty’s Markets – einer lebendigen Markthalle mit unzähligen Ständen. Es gibt frisches Obst und Gemüse, Streetfood aus aller Welt, Souvenirs, Kunsthandwerk und sogar Massagen. Alles wuselig, laut, bunt und voller Leben. Hier hatten wir auch unseren ersten richtigen Kontakt mit den unglaublich freundlichen Australiern, die sofort ins Gespräch kommen und eine ansteckende Gelassenheit ausstrahlen.

Für den 23.12. hatten wir uns mit Hilfe unserer Gastgeberin Libby eine Schnorcheltour zum äußeren Great Barrier Reef gebucht. Libby ist Unterwasserfotografin und hat früher für verschiedene Touranbieter gearbeitet – dank ihr bekamen wir sogar einen kleinen Rabatt. Am Morgen ging es dann zum Hafen, wo wir erstmal unser Boot suchen mussten. Am Ende landeten wir auf einem großen Katamaran mit 57 Gästen. Etwa die Hälfte war zum Tauchen da, die andere Hälfte – so wie wir – zum Schnorcheln.

Nach rund eineinhalb Stunden Fahrt auf den offenen Ozean erreichten wir die ersten Riffstellen. Total verrückt: Mitten auf dem Meer war es teilweise nur zwei Meter tief, und in der Ferne konnten wir sogar Sandbänke erkennen. Das Great Barrier Reef ist kein einzelnes Riff, sondern das größte Korallenriffsystem der Welt, bestehend aus über 2.900 einzelnen Riffen – ein echtes Naturwunder, das sich über mehr als 2.300 Kilometer erstreckt.

Da aktuell Quallen-Saison war, mussten alle einen sogenannten Stinger Suit tragen – einen dünnen Ganzkörperanzug, der auch Hände und Füße schützt. Wir sahen damit ziemlich albern aus, aber zum Glück ging es allen anderen genauso. Das Wasser hatte angenehme 27 Grad und war glasklar. Nach unseren intensiven Schnorchelerlebnissen auf den Galápagos-Inseln waren unsere Erwartungen hoch – aber hier war es einfach ganz anders. Im Great Barrier Reef geht es weniger um große Tiere, sondern um die unglaubliche Vielfalt der Korallen und Fische.

Ich ließ mich oft einfach treiben und wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Überall Bewegung. Große Fische knabberten an den Korallen, kleine versteckten sich in den Spalten. Putzerfische reinigten geduldig andere Meeresbewohner von Parasiten. Wir sahen Steinkorallen, Hirnkorallen, Geweihkorallen, Fächerkorallen – Formen, Farben und Strukturen ohne Ende. Keine Seelöwen, keine Schildkröten – aber das war völlig egal. Dieses lebendige Unterwasserchaos war faszinierend genug.

Die Weihnachtstage selbst verliefen dann sehr ruhig. Wir genossen unseren Pool, Carina bearbeitete Fotos und ich arbeitete an den Blogartikeln. Unsere Unterkunft war gemütlich, großzügig und perfekt zum Ankommen. Abends schauten wir ganz traditionell Harry Potter. So richtig weihnachtliche Stimmung wollte bei sommerlichen Temperaturen zwar nicht aufkommen, dafür aber ein kleines bisschen Heimweh. Die Sehnsucht, mit Familie und Freunden zusammenzusitzen, zu lachen und albern zu sein, war an diesen Tagen besonders spürbar.

Am zweiten Weihnachtsfeiertag hieß es dann Abschied nehmen von Cairns. Wir packten das Auto, fuhren Richtung Süden – und damit begann unser Roadtrip durch Australien nun wirklich offiziell. Das nächste Ziel: Townsville.

Korallige Grüße
Andi

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen