El Calafate ist ein kleines, ruhiges Städtchen auf der argentinischen Seite Patagoniens, umgeben von weiter Steppe, starkem Wind und dieser ganz besonderen Weite, die man hier überall spürt. Der eigentliche Grund, warum fast jeder Reisende hierherkommt, liegt allerdings etwas außerhalb der Stadt: der berühmte Perito-Moreno-Gletscher. Ein Ort, den man von unzähligen Fotos kennt und bei dem man sich trotzdem nie vorstellen kann, wie gewaltig er wirklich ist. Genau deshalb wollten auch wir hierher.
Schon vor über einem Monat hatte ich mir einen Traum erfüllt und eine ganz besondere Tour vorgebucht. Gleich am Tag nach unserer Ankunft ging es los. Wir wurden früh morgens abgeholt und fuhren die rund 80 Kilometer durch den Nationalpark Los Glaciares, immer entlang des tiefblauen Lago Argentino. Dieser ist tatsächlich der größte See Argentiniens und mit seiner Fläche fast dreimal so groß wie der Bodensee. Je näher wir dem Gletscher kamen, desto öfter trieben kleine Eisberge im Wasser, als würden sie uns langsam darauf vorbereiten, was gleich kommen würde.
Und dann tauchte er plötzlich auf. Riesig. Mächtig. Still und gleichzeitig unglaublich lebendig. Der Perito Moreno ist etwa 30 Kilometer lang und ragt rund 70 Meter über die Wasseroberfläche hinaus. Alle paar Minuten hört man ein tiefes Knacken, ein Donnern – und dann bricht irgendwo ein Stück Eis ab und stürzt ins Wasser. Wir hatten das Glück, dieses Naturschauspiel live zu erleben.
Zunächst konnten wir die Aussichtspunkte und Stege auf eigene Faust erkunden und uns kaum sattsehen. Doch das eigentliche Abenteuer begann erst danach. Wir stiegen in ein Boot und fuhren ganz nah an die gewaltige Eiswand heran. Von dort aus ging es weiter zu Fuß Richtung Gletscher. Helm auf, Steigeisen an – und plötzlich standen wir wirklich mitten auf dem Eis.
Diesen Moment werde ich nie vergessen. Das Eis unter unseren Füßen sah aus wie Crushed Ice, durchzogen von Rissen, kleinen Bächen und tiefblauen Spalten. Jeder Schritt fühlte sich surreal an. Der Gletscher lebte, knirschte, rauschte. An jeder Ecke neue Formen, neue Farben, neues Staunen. So lange hatte ich davon geträumt – und jetzt war es einfach Realität. Wir konnten kaum aufhören, Fotos zu machen, aber eigentlich wollte man diesen Ort einfach nur in sich aufsaugen.
Zum Abschluss gab es dann noch einen Whiskey mit echtem Gletschereis und ein Stück Schokolade. Genau das Richtige nach der anstrengenden, aber unglaublich beeindruckenden Wanderung. Noch etwas Aussicht genießen, einen Kaffee trinken, dann brachte uns das Boot zurück und schließlich der Bus nach El Calafate. Wir suchten uns nur noch etwas zu essen und fielen völlig erschöpft, aber überglücklich ins Bett. Was für ein Tag.
Am nächsten Tag ließen wir es ruhig angehen, schlenderten ein wenig durch die Stadt und planten unsere Weiterreise. Nach sechs intensiven Wochen war es Zeit, Argentinien Lebewohl zu sagen. Für uns ging es weiter nach Chile – und das nächste große Highlight wartete bereits auf uns.
Eisige Grüße
Carina