Tag 127 bis 131 – Ushuaia – Am Ende der Welt

Schon als wir in Ushuaia gelandet sind, erinnerte mich alles an Norwegen. Das viele verbaute Holz im Flughafengebäude. Die bunten Häuser, die Blechdächer und freistehenden Häuschen. Dazu dann noch die bergige Landschaft in Kombination mit dem Beagle Kanal, der ganz nach einem typischen Fjord in Norwegen aussieht.

Patagonien begrüßte uns erstmal standesgemäß mit Regen. Oder sagen wir lieber: taufte uns. Aus Erfahrung haben wir für den Anreisetag bewusst nichts geplant. Also ganz entspannt im Apartment ankommen, einmal zum Supermarkt, Vorräte für die nächsten Tage besorgen und später noch eine kleine Runde durch die Stadt am Ende der Welt drehen. Es ist die südlichste Stadt der Welt und fühlt sich genauso an, wie man es sich vorstellt: abgelegen, rau und irgendwie besonders.

Typisch Südamerika liefen auch hier ein paar Hunde durch die Gegend, die zwar ein Halsband trugen, aber offensichtlich ihre eigenen Termine hatten. Einer davon beschloss kurzerhand, uns zu begleiten. Er lief einfach mit, ganz selbstverständlich, als würde er sagen: „Kommt, ich zeig euch meine Stadt.“ Wir tauften ihn Rolo, passend zu seiner kräftigen Statur. Rolo wich uns keine Sekunde von der Seite, blieb brav an jeder Kreuzung stehen und machte unseren Spaziergang zu etwas ganz Besonderem. Einfach zuckersüß.

Am nächsten Morgen wurden wir früh von der Sonne geweckt. Es war kurz nach fünf Uhr hell und abends geht sie hier im patagonischen Sommer erst gegen 21.30 Uhr unter. Carina hatte für diesen Tag eine Wanderung im Nationalpark Tierra del Fuego geplant. Mit dem Bus ging es hinein in den Park. Leider war der bekannte Weg direkt am Wasser gesperrt, weil er durch den vielen Regen stark beschädigt war. Es gab aber eine Alternative. Auch diese war stellenweise extrem matschig und ohne wasserdichte Wanderschuhe hätten wir ziemlich alt ausgesehen. Dafür wurden wir mit wunderschöner Natur belohnt. Wälder, Seen, Berge und kaum andere Wanderer. Genau so mögen wir das.

Am dritten Tag stand die Wanderung zur Laguna Esmeralda auf dem Programm. Wieder mit dem Bus raus aus der Stadt und dann über schmale, teils sehr schlammige Pfade durch Wald, über Wiesen und Steine hinauf zu diesem türkisfarbenen Bergsee. Der Name kommt nicht von ungefähr. Umgeben von schneebedeckten Gipfeln liegt der See da, als hätte jemand ihn einfach perfekt platziert. Der Weg dorthin war kein Spaziergang, aber genau solche Touren lieben wir. In der Natur können wir komplett abschalten. Tiefe Atemzüge, Vogelgezwitscher, kühler Wind und Sonne im Gesicht. Mehr braucht es nicht.

Für unseren vierten Tag hatten wir uns etwas Besonderes ausgesucht. Eine Bootsfahrt auf dem Beaglekanal, allerdings nicht mit einem großen Tourboot, sondern mit einem kleinen Segelboot. Wir waren nur acht Personen plus Kapitän und sein Smutje. Sehr familiär, sehr entspannt. Wir fuhren zu mehreren kleinen Inseln und konnten Seelöwen, Kormorane, andere Seevögel und sogar einen Seeelefanten beobachten. Unser Anbieter hatte die Sondergenehmigung, eine der Inseln zu betreten, sodass wir dort eine kleine Wanderung machen konnten. Dabei erfuhren wir viel über die Tierwelt, die Pflanzen und auch über die Geschichte der Region, die Ureinwohner und die Entdeckung des Kanals. Leider gab es an diesem Tag kaum Wind, sodass echtes Segeln ausfiel. Aber ehrlich gesagt war das völlig egal. Wir lagen an Deck, ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und bestaunten die Berge, die hier direkt aus dem Wasser aufragen.

Den fünften Tag ließen wir ruhig angehen. Ein bisschen durch die Stadt schlendern, Souvenirs kaufen und einfach das Flair aufsaugen. Am Abend beschlossen wir, essen zu gehen und die lokale Spezialität zu probieren. In Ushuaia kommt man an Königskrabbe nicht vorbei. Die Empfehlung für das Restaurant hatten wir bei der Bootstour bekommen und sie war Gold wert. Zum Glück hatte Carina reserviert, denn kaum zehn Minuten nach Öffnung war alles voll und draußen bildete sich eine Schlange. Ich bestellte Königskrabbe in Parmesan, Carina Nudeln mit Meeresfrüchten. Und ganz ehrlich: Das war eines der besten Essen unserer gesamten Reise.

Und dann war unsere Zeit hier am Ende der Welt auch schon vorbei. Mit dem Flugzeug ging es weiter nach El Calafate und zum berühmten Perito-Moreno-Gletscher. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Grüße vom Ende der Welt,
Andi

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