Nach ein paar ruhigen Tagen im Tigre-Delta ging es für uns endlich ins berühmte Buenos Aires. Das erste Mal Zugfahren in Südamerika – und das sogar richtig entspannt. Besonders Carina hat sich riesig auf die argentinische Hauptstadt gefreut, schließlich gilt Buenos Aires als Geburtsort des Tangos. Ich hingegen hatte eher ein saftiges argentinisches Steak im Kopf. Prioritäten müssen gesetzt werden.
Bevor ich euch aber von unseren Tagen in der Stadt erzähle, muss ich kurz etwas Frust loswerden. Bisher hatten wir auf unserer Reise nie Probleme, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Mal gab es mehr Auswahl, mal weniger, aber irgendwas ging immer. Buenos Aires jedoch hat uns richtig kämpfen lassen. Entweder war alles ausgebucht, astronomisch teuer oder weit außerhalb. Am Ende landeten wir in einem Doppelzimmer in einem Hostel, obwohl wir eigentlich keine Lust mehr auf Hostels hatten. Nicht ganz das, was wir wollten – aber dafür mitten in der Stadt, und man konnte vieles zu Fuß erreichen.
Da wir nur etwas über eine Stunde Zugfahrt hinter uns hatten, war der Tag noch jung und wir konnten direkt losziehen. Wir sind einfach drauflos mit einem groben Ziel – wie immer. Gleich zu Beginn überquerten wir die Avenida 9 de Julio, eine der breitesten Straßen der Welt mit bis zu 20 Fahrspuren Es brauchte 5 Fußgängerampeln, um auf die andere Seite zu kommen. Ein Erlebnis für sich.
Weiter ging es zum Plaza de Mayo, vorbei am Monument für General Manuel Belgrano und der berühmten Casa Rosada, dem rosafarbenen Regierungssitz. Viele Gebäude hier wirken fast französisch – elegante Fassaden, prunkvolle Balkone, europäische Details. Kein Wunder, dass Buenos Aires auch das Paris Südamerikas genannt wird.
Danach zogen wir weiter ins Hafenviertel Puerto Madero mit der modernen Brücke Puente de la Mujer. Die Gegend erinnerte mich total an die Speicherstadt in Hamburg – Backsteinhäuser, alte Kräne, breite Wasserkanäle und eine historische Fregatte, die still im Hafen lag. Zwei Straßen weiter erreichten wir die Promenade, die zum Reserva Ecológica führt, einem riesigen Naturschutzgebiet direkt an der Stadt. Im Wasser paddelten Schildkröten herum, die anscheinend darauf warteten, dass jemand ihnen ein bisschen Aufmerksamkeit schenkt. Wir gönnten uns an einem der Parrilla-Wagen ein Steak-Sandwich und genossen die Aussicht auf das Naturschutzgebiet.
Auf dem Rückweg liefen wir plötzlich mitten in eine Tanzvorführung hinein. Es war die Lange Nacht der Museen, und überall standen Bühnen, Musiker und Tänzer. Eine der Hauptstraßen war komplett gesperrt, und etwa 50 Tänzer in glitzernden Kostümen performten eine Choreografie zu Live-Musik. Das war einer unserer besonderen Buenos Aires Momente.
Am zweiten Tag zog es uns nach Palermo, das hippe Viertel mit Parks, Cafés und jungen Leuten. Wir schlenderten durch den Botanischen Garten, der wieder einmal kostenlosen Eintritt hatte, und weiter zum riesigen Rosengarten, der uns mit seinen unzähligen Farben verzaubert hat. Danach kam der Hunger – groß und plötzlich. Wir liefen gefühlt Ewigkeiten zur Bushaltestelle, nur um zuzusehen, wie der Bus zweimal einfach an uns vorbeirauschte. Also bestellten wir schließlich doch ein Uber. Unser Ziel war das Nola, ein kleines Restaurant mit dem angeblich besten frittierten Hühnchen der Stadt. Spoiler: Es war tatsächlich das Beste, das ich je gegessen habe.
Zurück im Hostel machten wir uns kurz frisch und gingen dann direkt ins Mate-Museum um die Ecke. In Argentinien läuft wirklich jeder mit einer Thermoskanne und einem Mate-Becher herum – aber bestellen kann man den nirgends. Das mussten wir aufklären. Im Museum kamen wir gerade rechtzeitig zur Verkostung zusammen mit einem anderen Paar und lernten alles über die richtige Zubereitung. Wir quatschten und quatschten und plötzlich war es schon eine halbe Stunde nach Ladenschluss. Weil wir uns so gut verstanden, verbrachten wir den Abend restlichen zusammen in einer Bar im Hafenviertel bei Cocktails und guter Laune. Ein richtig schöner, spontaner Abend.
Der dritte Tag begann mit einer Free Walking Tour durch Retiro und Recoleta, zwei der wohl elegantesten Stadtteile. Wir lernten viel über die Geschichte Argentiniens und die europäische Architektur, die das Stadtbild so prägt. Die Tour endete am berühmten Friedhof La Recoleta, wo viele bedeutende Persönlichkeiten Argentiniens begraben sind, unter anderem Eva Perón. Die Mausoleen sind kleine Kunstwerke – aber manche sind leider verfallen, Fenster fehlen oder sind eingeschlagen. Durch die Gitter und Fenster der Mausoleen sieht man teilweise sogar Särge. Das war dann doch ein wenig gruselig und unbehaglich.
Abends gönnten wir uns ein großes Highlight: ein Tango-Dinner. Ein netter Kellner, der sogar einige Worte Deutsch konnte, servierte uns ein leckeres Drei-Gänge-Menü, bevor die eigentliche Show begann. Die Live-Band aus Klavier, Violine, Cello und Bandoneon begleitete vier Tanzpaare, die die Geschichte des Tangos erzählten – von seinen Anfängen in den Einwanderervierteln bis zu den modernen Formen. Die Tänzer waren grandios, energiegeladen und voller Ausdruck. Ein Moment, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird und ein weiteres Highlight unserer Zeit in Buenos Aires.
Am vierten Tag trafen wir uns zum Frühstück mit Ellis und Molly, dem englischen Paar aus unserer Tour durch die bolivianische Salzwüste. Es fühlte sich an, als würden wir alte Freunde wiedersehen. Es war super schön einfach zu quatschen und sie haben uns von ihren Tagen in Patagonien berichtet. Danach ging es nach San Telmo, auf den berühmten Mercado de San Telmo mit seinen vielen kleinen Geschäften und Restaurant-Ecken. Natürlich gab es nochmal richtig gutes argentinisches Fleisch frisch vom Grill.
Unsere Tage in Buenos Aires waren vollgepackt, intensiv und abwechslungsreich. Jede Ecke der Stadt hat ihren ganz eigenen Charakter. Man könnte hier problemlos noch eine ganze Woche verbringen und hätte immer noch nicht alles gesehen. Irgendwann kommen wir wieder – mit mehr Zeit, weniger Hostelstress und großer Vorfreude.
Tango-Grüße aus Buenos Aires,
Andi