Tag 191 bis 192 – Australiens älteste Weinregion und wir mittendrin

Für unseren nächsten Halt auf der Reise standen zwei Optionen im Raum: Newcastle an der Küste oder die berühmte Weinregion Hunter Valley. Nach vielen Wochen am Meer und an endlosen Stränden fiel uns die Entscheidung überraschend leicht. Außerdem hatten wir schon so viel Gutes über australischen Wein gehört – und ehrlich gesagt auch richtig Lust auf eine Weinverkostung. Ähnlich wie vor ein paar Monaten in Argentinien. Die große Frage war nur: Kann australischer Wein mit dem aus Cafayate mithalten?

Die Fahrt von Dorrigo ins Hunter Valley führte uns quer durchs australische Hinterland. Stundenlang ging es durch Schluchten, Täler und über unzählige Serpentinen. Eine wunderschöne, aber auch lange Strecke – nach etwa sechs Stunden kamen wir schließlich im Hunter Valley an. Doch bevor wir überhaupt an Wein denken konnten, stand etwas sehr Wichtiges auf dem Programm: Wäsche waschen. Unsere letzten beiden Unterkünfte hatten ausnahmsweise keine Waschmaschine, und langsam wurde es wirklich kritisch.

Also ab in unseren ersten australischen Laundromat – so heißen hier die Selbstwaschsalons. Während die Maschine lief, erledigten wir schnell den Einkauf, danach kam alles in den Trockner und wir saßen einfach 30 Minuten da, lasen ein Buch und schauten ein paar YouTube-Videos. Auch das gehört irgendwie zum Reisen dazu 😊.

Danach ging es endlich zu unserer Unterkunft – und die war ein absoluter Volltreffer. Ich hatte über Airbnb einen kleinen Bungalow mitten in den Weinbergen gefunden. Das Grundstück war mehrere Hektar groß, darauf verteilt nur fünf Bungalows. Dazu ein kleiner Teich mit Enten und Gänsen, zwei Ponys auf der Wiese, Weinreben direkt hinter dem Haus und zwischendurch hüpften einfach Kängurus quer übers Gelände. Alles war ruhig, friedlich und unglaublich entschleunigend. Genau das, was wir gebraucht haben.

An unserem einzigen vollen Tag hatten wir uns direkt zwei Weinverkostungen gebucht – eine um 14 Uhr und eine um 15:30 Uhr. Wir dachten: Das sollte locker reichen. Spoiler: tat es nicht 😄.

Los ging es beim noch recht jungen Weingut Jac & Jones. Etwas versteckt im Wald stand ein nagelneues, modernes Verkostungshaus – sehr stilvoll und minimalistisch. Dort wartete schon Jac auf uns. Sie macht seit rund 18 Jahren Wein, anfangs nur für sich selbst und Freunde, inzwischen auch kommerziell.

In Argentinien waren wir fünf Weine pro Tasting gewohnt – hier lag vor uns eine lange Weinkarte. Und dann ging es los: erst ein Prosecco, dann mehrere leichte Weißweine, verschiedene Chardonnays und der für das Hunter Valley so typische Semillon. Besonders spannend: Wir probierten denselben Wein aus unterschiedlichen Jahrgängen und konnten richtig schmecken, wie sich die Weine über die Jahre entwickeln. Danach folgten zwei Rosés, zwei Rotweine – und zum Abschluss ein hausgemachter Limoncello. Nicht so stark wie in Italien, sondern leicht, frisch und perfekt für den Sommer.

Am Ende standen zwölf Weine auf der Liste – und Carina und ich definitiv in sehr guter Stimmung. Jeder hatte seine Favoriten, aber schlecht war wirklich keiner. Was diese Verkostung aber besonders gemacht hat, war das Gespräch mit Jac. Wir haben die ganze Zeit gequatscht – über Wein, Trauben, den Anbau im Hunter Valley und die Herausforderungen der letzten Jahre. Sie erzählte von einem Jahr mit massiven Buschfeuern, deren Rauch sich so stark auf die Trauben ausgewirkt hatte, dass sie keinen einzigen Wein produzieren konnte. Oder von der Pandemie, als plötzlich keine Erntehelfer mehr ins Land durften.
Irgendwann erzählten wir auch von uns, unserem Leben und unserer Reise – und plötzlich waren zwei Stunden vergangen. Ups.

Damit waren wir natürlich viel zu spät für unsere zweite Verkostung. Zum Glück war Jac so unglaublich lieb und fuhr uns kurzerhand selbst zum nächsten Weingut, weil Taxis oder Uber hier auf dem Land eher Glückssache sind. Mit Verspätung, leicht angetüdelt und etwas schlechtem Gewissen starteten wir dann beim Weingut Glandore. Begrüßt wurden wir dort auf Deutsch von einem Auswanderer aus dem schönen Finsterwalde. Sehr surreal, aber auch sehr lustig. Unsere eigentliche Verkostung machten wir dann mit einer anderen Mitarbeiterin, mit der wir wieder viel lachten und quatschten.

Am Ende kauften wir auf beiden Weingütern jeweils eine Flasche Wein – als Erinnerung an einen rundum perfekten Tag. Zurück im Bungalow waren wir ziemlich erledigt und verbrachten den Abend einfach auf dem Sofa, mit Blick ins Grüne und einem breiten Grinsen im Gesicht.

Ein Tag voller Genuss, guter Gespräche und dieser besonderen Leichtigkeit, die man nur auf Reisen spürt.

Angeheiterte Grüße aus dem Hunter Valley
Andi

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