Unser nächstes Ziel war ein zweitägiger Ausflug in den Corcovado-Nationalpark mit Übernachtung in der Rangerstation mitten im Dschungel. Um überhaupt dorthin zu kommen, mussten wir erst nach Puerto Jiménez, denn von dort starten die Touren morgens um fünf Uhr.
Die Fahrt nach Puerto Jiménez lief diesmal etwas anders ab. Die erste Hälfte der Strecke fuhren wir wie gewohnt mit dem Bus bis nach Chacarita. Dort hatten wir drei Stunden Wartezeit und es regnete in Strömen. Also setzten wir uns in ein kleines Restaurant an der Straßenecke, aßen gemütlich zu Mittag und schauten dem Regen zu. Später gingen wir zur Bushaltestelle, einem kleinen Bretterverschlag. Eigentlich wollten wir in den nächsten Bus steigen, aber das Leben hatte andere Pläne. Ein Auto fuhr an uns vorbei, hielt an, wendete und hielt erneut. Ein älteres Pärchen bot uns eine Mitfahrgelegenheit an und sie wirken nett. Man muss dazu sagen: Dort ist nicht viel los, und der Bus fährt nur drei Mal am Tag. Wir hörten auf unser Bauchgefühl und entschieden die Gelegenheit zu nutzen. Also packten wir unsere großen Rucksäcke irgendwie in den winzigen Kofferraum und stiegen ein.
Unsere Fahrer waren Kevin und seine Frau. Er stammt aus Kalifornien, lebt mittlerweile in El Salvador und war gerade in Costa Rica im Urlaub. Kevin hatte Lust zu quatschen – und das tat er auch. Wir unterhielten uns über die USA, Trump, Zölle, Politik und hörten uns Kevins doch sehr… kreative Theorien an 😄. Es war eine unterhaltsame Fahrt, und er lud uns sogar zum Surfen ein. Leider waren die nächsten Tage schon komplett verplant.
Puerto Jiménez selbst ist ein kleines Dorf mit einigen einfachen Unterkünften, das als Sprungbrett für Touren in den Nationalpark dient. An unserem Ankunftstag gab es sogar ein kleines Fest auf dem Dorfplatz mit Live-Musik und Essensständen. Als es jedoch wieder anfing zu regnen, verzogen wir uns in unsere Unterkunft und legten uns früh schlafen – am nächsten Tag sollte es schließlich richtig früh losgehen.
Noch halb im Schlaf trotteten wir am Morgen zum Hafen. Von dort fuhren wir 1,5 Stunden lang mit einem kleinen Boot gegen hohe Wellen um die Halbinsel. Unsere Gruppe bestand aus einem deutschen Paar, einer Amerikanerin, dem Ranger und uns – und unser Boot war dementsprechend klein. Anfangs war das Hüpfen von Welle zu Welle noch lustig, aber nach einer Stunde wollten wir alle nur noch ankommen. Erika, die Amerikanerin, brachte es auf den Punkt: „Ich glaube, ich bin mindestens drei Zentimeter kleiner geworden.“
Doch alle Strapazen waren vergessen, als wir den Dschungel sahen, der bis ans Meer reichte. Es war, als wären wir mitten in „Jurassic Park“ gelandet – wild, urig und atemberaubend. Nach einem spektakulären Wendemanöver am Strand und dem Ausstieg ins knietiefe Wasser wanderten wir etwa zwei Kilometer zur Rangerstation Sirena. Diese war für die nächsten zwei Tage unser Ausgangspunkt, Schlafplatz und Versorgungsstation. Normalerweise können dort bis zu 200 Leute übernachten, aber in der Nebensaison war es angenehm ruhig.
Schon auf unseren ersten Wanderungen fühlte es sich an, als würden wir durch ein lebendiges Naturlexikon laufen. Jeder Schritt brachte neue Geräusche, Bewegungen und Entdeckungen. Nasenbären durchstöberten den Waldboden nach Futter, während hoch oben Klammeraffen mit einer fast schon artistischen Leichtigkeit von Ast zu Ast schwangen. Totenkopfäffchen huschten blitzschnell durch die Zweige und warfen uns neugierige Blicke zu, Brüllaffen sorgten im Hintergrund für die passende Urwald-Atmosphäre mit ihrem tiefen, grollenden Ruf. Wir entdeckten Ameisenbären, die seelenruhig nach Termiten suchten, sahen ein Krokodil im Fluss liegen, Agutis und Pekaris beim Grasen, und als Krönung: einen Tapir mit Baby – ein Anblick, der uns einfach sprachlos machte. Über uns segelte ein farbenprächtiger Tukan, während ein Curassow gemütlich am Wegrand entlang spazierte. Dazu kamen unzählige andere Vögel und Echsen, die diesen Ort zu einem wahren Paradies machen.
Der Corcovado-Nationalpark gilt als einer der artenreichsten Orte der Welt. Hier leben Tapire, Jaguare, Krokodile, Affen und unzählige Vogelarten. Der Park wurde 1975 gegründet, um dieses einzigartige Ökosystem zu schützen, und erstreckt sich über mehr als 400 Quadratkilometer unberührten Regenwald. Besonders beeindruckend ist, wie dicht und lebendig die Natur hier ist – überall raschelt, zwitschert oder flattert etwas. Für uns war es ein bisschen wie eine Zeitreise in eine Welt, in der der Mensch noch kaum Spuren hinterlassen hat.
In der Nacht regnete es wie aus Eimern und um fünf Uhr morgens starteten wir zur nächsten Wanderung. Zum Glück lieh uns die Station Gummistiefel aus, denn die Wege waren komplett matschig. Ausgerüstet mit Regenjacke und Stiefeln stapften wir los. An diesem Tag bekamen wir zwar weniger Tiere zu Gesicht, doch die Stimmung im Regenwald war trotzdem wunderschön.
Mittags ging es mit dem Boot zurück nach Puerto Jiménez. Dort stand erstmal Wäsche waschen auf dem Plan – und ausruhen. Die Dschungeltour musste schließlich verarbeitet werden. Morgen geht es weiter nach Panama. Mal sehen, ob alles nach Plan läuft oder ob uns das Leben wieder mit spontanen Überraschungen versorgt.
Grüße aus dem Urwald,
Andi