Nach Monteverde ging es wieder mit dem Shuttle-Bus, weil die Variante mit den öffentlichen Bussen einfach viel zu kompliziert gewesen wäre. Die Fahrt dauerte nur circa 4 Stunden, sodass wir gegen Mittag in unserer Unterkunft waren.
In Monteverde ging es für uns erstmal in ein kleines „Soda“. So heißen die lokalen Restaurants hier in Costa Rica. Dort gibt es eigentlich immer gutes costa-ricanisches Essen zu günstigen Preisen. Anschließend haben wir den Stadtkern erkundet, der aus lediglich drei Straßen bestand. Monteverde ist eine kleine Stadt auf 1.300 m Höhe – deutlich kühler als an der Küste, was uns sehr entgegenkam. Endlich nicht mehr den ganzen Tag schwitzen!

Wir kauften noch für die nächsten Tage ein, da wir mehr selbst kochen wollten, um im Budget zu bleiben. In unserem Hostel gab es eine Gemeinschaftsküche, die wir fast allein nutzten. Nur die Angestellten waren ab und zu dort. So kamen wir ins Gespräch mit den Einheimischen, die super nett waren. Unser Zimmer war winzig, aber die Gastgeberin – eine liebe „Mutti“ – backte einen fantastischen Schokokuchen, von dem Carina kosten durfte.
Am nächsten Tag besuchten wir das Biologische Reservat des Nebelwaldes Monteverde. Für den Eintritt zahlt man eine Gebühr und kann sich dann auf den verschiedenen Wanderwegen frei bewegen. Natürlich habe ich die ganze Zeit nach einem Faultier Ausschau gehalten, aber leider keins entdeckt – dafür aber viele Vögel, Schmetterlinge und unzählige Pflanzenarten. Der Nebelwald wirkte wie ein Ort voller Geheimnisse. Ein mystischer Wald, der von dichten Wolken umhüllt wird. Hier herrscht ein feucht-kühles Klima, das eine enorme Artenvielfalt hervorbringt. Kolibris schwirren zwischen den Blüten, Brüllaffen rufen in der Ferne, und überall wachsen Moose, Farne und Bromelien auf den Bäumen. Die ständige Feuchtigkeit sorgt dafür, dass man sich wie in einer grünen Fabelwelt fühlt. Die Bilder geben zwar einen Eindruck, aber live war es noch viel beeindruckender. Während der Wanderung konnten wir den Begriff des „Waldbadens“ nachvollziehen. Umgeben von der Natur hörte man nur das Rascheln der Bäume, das tropfende Wasser und das Singen der Vögel. Wir haben die Zeit im Nebelwald sehr genossen!
Am Abend nahmen wir dann noch an einer geführten Nachtwanderung teil. Da es hier schon um 18 Uhr dunkel wird, war es für uns eher eine „Abendwanderung“ 😄. Kaum war die Sonne weg, wurde der Wald richtig lebendig: Frösche quakten laut, Insekten zirpten, und manche Geräusche konnte ich gar nicht zuordnen. Es war gleichzeitig ein wenig unheimlich und unglaublich spannend.
Gleich zu Beginn erspähten wir ein Zweifinger-Faultier – ein Weibchen mit Baby! Danach sahen wir noch viele weitere Tiere, unter anderem:
- Boa constrictor imperator (Schlange)
- Wimpernotter (Schlange)
- Wickelbär
- Stabschrecke
- Vogelspinne
- Skorpion
- Tukan
- Opossum
Unsere Fotos waren nicht die besten, aber jemand aus der Gruppe hatte eine hervorragende Handy-Kamera, und so konnten wir später Bilder austauschen.
Am nächsten Tag stand der Selvatura Adventure Park auf dem Programm – ein absolutes Muss in Monteverde! Dort gibt es Hängebrücken und Seilrutschen (insgesamt 13 Stück, rund 3,5 km lang). Bei zwei Seilrutschen konnten wir sogar zusammen rutschen: Ich wurde zuerst ins Seil gehängt, Carina hinter mir, Beine um mich geschlungen – und ab ging die wilde Fahrt! Mit doppeltem Gewicht fühlte es sich auch doppelt so schnell an. Wir flogen über den Wald hinweg und kamen schreiend vor Freude kamen wir am anderen Ende an. Wir wollten uns am liebsten gleich nochmal anstellen für eine zweite Runde.
Optional kann man die Tarzan Schaukel mitmachen. Haben wir natürlich gemacht. Schließlich sind wir doch hier um Abenteuer zu erleben. Man steigt dabei hoch auf eine Plattform. Dann wird man in ein Seil eingehakt und dann wird das Geländer vor dir geöffnet und du musst springen. Von unten sah es gar nicht so schlimm aus, aber als ich dann oben stand und springen musste, dachte ich mir nur: Oh mein Gott! Aber es hilft ja nichts. Augen zu und durch. Und dann war ich für einen kleinen Moment im freien Fall bis das Seil straff wurden und mich wie beim Schaukeln nach vorn zog. Purer Adrenalin-Rausch und die wahre Freude lebendig zu sein. Bei Carina war’s ähnlich: Lachen, Zittern und jede Menge Glücksgefühle.
Wir machten erst eine kleine Pause und setzten uns auf eine Bank, um Kolibris zu beobachten. Diese winzigen Vögel waren unglaublich schnell und schwirrten mit einem leisen Surren von Blüte zu Blüte, um Nektar zu trinken. Ihre schillernden Federn blitzten in der Sonne, mal grün, mal blau – je nachdem, wie das Licht fiel. Danach schlenderten wir noch etwa zwei Stunden durch den Wald und über die beeindruckenden Hängebrücken. Diese schwebten hoch über den Baumkronen und boten spektakuläre Ausblicke auf das dichte Grün und den darunterliegenden Wald. Bei jedem Schritt schwankte die Brücke leicht, was das Ganze noch aufregender machte. Von hier oben konnte man nicht nur den Wald aus einer ganz neuen Perspektive sehen, sondern auch Vögel auf Augenhöhe beobachten, die sonst hoch oben in den Baumkronen versteckt sind.
So schön der Adventure Park auch war – der stille Nebelwald im Monteverde-Reservat hatte für uns doch noch mehr Magie, denn dort hörte man nur die Natur, während hier immer wieder das Surren der Seilrutschen und freudige Schreie durch die Luft hallten.
Alles in allem war es trotzdem ein wundervoller Tag mit jeder Menge Spaß. 😄
Bis bald und neblige Grüße
Andi



