Nach unserer Zeit in Brisbane war uns klar: Wir brauchen nochmal Meer. Sand unter den Füßen, Salz auf der Haut und dieses ganz bestimmte Lebensgefühl, das nur Orte mit vielen Surfbrettern und Flip-Flops haben. Also ging es für ein paar Tage nach Tweed Heads, ganz im Süden der Gold Coast, direkt an der Grenze zwischen Queensland und New South Wales. Ein Ort, der sich perfekt dafür eignet, nochmal tief durchzuatmen.

Die Unterkunftssuche war zur Ferienzeit – mal wieder – eine kleine Herausforderung. Am Ende wurde es kein eigenes Apartment, sondern ein Zimmer in einer privaten Wohnung bei der lieben Ursula und ihrem Hund Bertie. Ehrlich gesagt waren wir erst etwas skeptisch, aber das Gefühl hielt keine fünf Minuten an. Es erinnerte uns sofort an unsere WG-Zeiten im Studium und Ursula war so herzlich, dass wir uns direkt wohlgefühlt haben. Manchmal sind es eben genau diese ungeplanten Lösungen, die am Ende richtig schön werden.
Unsere Tage hier hatten schnell einen festen Rhythmus: morgens ab an den Strand, Sonne genießen, baden gehen, Wellen beobachten – bis spätestens Mittag. Länger hielt man es in der prallen Sonne einfach nicht aus. Meistens wechselten wir zwischen Kirra Beach und Rainbow Bay, die streng genommen schon zu Coolangatta gehören, aber von Tweed Heads aus super schnell erreichbar sind. Diese Ecke ist bekannt für ihre konstanten Wellen und zählt zu den beliebtesten Surfspots der Region.
So beliebt sogar, dass Andi sich irgendwann selbst ein Board geschnappt und ins Wasser gewagt hat. Ganz ehrlich: Ein bisschen Training fehlt dann doch, wenn man nicht regelmäßig surft. Die Wellen hier sind kräftig und schnell. Aber allein draußen zu sitzen, auf dem Board zu treiben und Teil dieses Ganzen zu sein, war schon ein Erlebnis für sich. Und dann das absolute Highlight: ein Mantarochen, der unter ihm durchs Wasser glitt. Einfach so. Vom Surfboard aus. Wie verrückt ist das bitte?
Abends zog es uns fast immer nochmal an den Strand. Surfer, die noch die letzten Wellen des Tages mitnahmen, Gruppen junger Leute beim Beachvolleyball, andere saßen einfach im Sand und schauten aufs Meer. Trotz vieler Menschen war die Stimmung ruhig, entspannt und irgendwie entschleunigt. So würden wir unseren Feierabend auch gern öfter verbringen.
Von Tweed Heads aus machten wir einen Abstecher weiter Richtung Süden – nach Byron Bay. Ich hatte schon so viel über diesen Ort gehört und gelesen, dass ich unbedingt selbst sehen wollte, was dran ist an diesem Mythos. Byron Bay war früher ein verschlafener Surferort und ist heute ein echter Tourismus-Magnet. Trotzdem gibt es hier – zum Glück – keine riesigen Hotelburgen. Viele Strände, kleine Buchten und bewaldete Hügel sorgen dafür, dass der Ort zumindest optisch viel von seinem Charme behalten hat.
Ein Strand reiht sich an den nächsten, besonders bekannt ist „The Pass“, der Surferstrand schlechthin. An diesem Tag war das Meer allerdings fast spiegelglatt. Statt erfahrener Surfer sah man vor allem Familien, die mit ihren Kindern erste Surfversuche machten. Klassischer Wochenendausflug in Australien eben. Zum berühmten Cape Byron Lighthouse, dem östlichsten Punkt des australischen Festlands, wollten wir eigentlich auch noch fahren. Aber dann waren dort so viele Menschen, dass wir direkt wieder umgedreht sind. Das ist dann wohl die Kehrseite des Ruhms.
Stattdessen bummelten wir durch die Stadt. Und hier kam bei mir ein kleines Zwiespalt-Gefühl auf. Auf der einen Seite viele Touristen, teure Parkgebühren, schicke Boutiquen und sehr stylische – und sehr hochpreisige – Restaurants. Auf der anderen Seite aber immer noch Familien, die gemeinsam surfen gehen, junge Leute mit nackten Füßen und sonnengebleichten Haaren, alle auf der Suche nach diesem besonderen Byron-Gefühl. Man spürt es noch – aber nicht mehr überall.
Abends zeigte sich dieser Kontrast besonders deutlich: Am Strand eine ziemlich schicke Elektroparty mit DJs, ein paar Straßen weiter entspannte Straßenmusik, Menschen tanzten barfuß, lachten und genossen den Moment. Uns war sofort klar, welche Seite uns mehr gefiel.
Am nächsten Morgen klingelte der Wecker sehr früh. Wir hatten eine Kajaktour auf dem offenen Meer gebucht. Ausgestattet mit Schwimmweste und Helm (für das Durchqueren der Brandung) ging es hinaus – so sind wir wirklich noch nie mit dem Kajak gestartet. Die Sonne zeigte sich nur zögerlich, das Meer war lebendig. Und dann: grüne Meeresschildkröten, die immer wieder direkt neben unserer Gruppe auftauchten. Weiter draußen wurden die Wellen größer, aber unsere Guides kannten das Revier perfekt und gaben uns jederzeit ein sicheres Gefühl.
Auf dem Rückweg wartete dann der krönende Abschluss: eine Gruppe von vier Delfinen, kam bei uns vorbei. So viele Meerestiere, so dicht an der Küste – damit hätten wir niemals gerechnet. Dieses Meer hier ist einfach unbeschreiblich schön und lebendig.
Mit der Erinnerung an diesen magischen Morgen verließen wir Byron Bay und machten uns auf den Weg ins Landesinnere. Ein neuer Abschnitt und neue Landschaften, aber davon erzählen wir euch ganz bald.
Sandige Grüße von unseren neuen Lieblingsstränden
Carina



