Tag 225 bis 245 – Urlaub von der Weltreise in Thailand

Mit dem Flugzeug ging es für uns von Sumatra über Kuala Lumpur weiter nach Phuket. Vom Flughafen ging es noch etwa eine Stunde mit dem Taxi in den Süden der Insel nach Cape Panwa. Dort wollten wir erstmal einen Gang runterschalten.

Nach der Dschungelwanderung auf Sumatra fühlte sich ein Pool plötzlich wie purer Luxus an. Die ersten Tage bestanden hauptsächlich aus Sonnenbaden, Lesen und gelegentlichen Sprüngen ins Wasser. Carina nutzte die Gelegenheit natürlich sofort, um mir das thailändische Essen näherzubringen. Ich blieb allerdings noch ein wenig skeptisch. Selbst wenn man „no spicy“ bestellt, kann es in Thailand immer noch überraschend scharf sein. Ich habe also tapfer probiert, geschwitzt und immer wieder nach Wasser gegriffen, während Carina mich grinsend beobachtet hat.

Nach vier entspannten Tagen ging es weiter. Mit dem Taxi fuhren wir zum Hafen in Phuket-Stadt und nahmen von dort die Fähre zur Insel Koh Yao Yai in der Phang-Nga-Bucht. Wir hatten mit einer ruhigen Insel gerechnet, aber dass es so ruhig sein würde, überraschte uns dann doch ein wenig. In unserem kleinen Dorf gab es genau ein Restaurant und auch Taxis schienen eher selten vorbeizukommen. Also machten wir das, was man in Südostasien einfach macht: Wir mieteten uns einen Roller.

In den folgenden Tagen tuckerten wir damit über die Insel, erkundeten kleine Straßen, Palmenhaine und immer wieder diese wunderbaren Ausblicke auf das Meer mit seinen Kalksteininseln. Viel Programm hatten wir uns bewusst nicht vorgenommen. Stattdessen gönnten wir uns drei Massagen, gingen jeden Abend essen – eine Küche hatten wir hier ohnehin nicht – und genossen es, dass gutes Essen in Thailand immer noch erstaunlich günstig ist. Besonders schön waren die Sonnenuntergänge an der Küste, wenn der Himmel langsam orange wurde und die kleinen Fischerboote draußen auf dem Wasser lagen.

Zu unserem täglichen Ritual gehörten außerdem drei Katzen. Da war die Poolkatze, die sich meist im Schatten zusammenrollte, die Parkplatzkatze beim Roller und die einäugige „Piratenkatze“ an der Rezeption, die uns jeden Morgen mit stoischer Gelassenheit begrüßte.

Die meiste Zeit verbrachten wir tatsächlich einfach am Pool, lasen Bücher und machten etwas, das wir auf der ganzen Weltreise kaum getan hatten: nichts. Unsere Erkundungen beschränkten sich auf eine Fahrt in den Norden der Insel zu einer malerischen Sandbank und einen Ausflug in den nächsten größeren Ort südlich von uns. Viel mehr los war dort allerdings auch nicht. Also ließen wir den Drang los, unbedingt noch alles sehen zu müssen, was Thailand zu bieten hat. Nach so vielen Monaten unterwegs fühlte es sich richtig gut an, einfach mal fünfe gerade sein zu lassen. Kein Planen, keine Recherche, keine Gedanken darüber, wohin es als Nächstes geht. Diese kleine Pause vom Reisen war vielleicht genau das, was wir gebraucht hatten. Es ist ein Urlaub von der Weltreise.

Nach acht Tagen hieß es dann Abschied nehmen von der Inselruhe. Mit der Fähre ging es zurück nach Phuket und von dort weiter nach Norden nach Khao Lak. Anders als Koh Yao Yai ist Khao Lak kein einzelner Ort, sondern eher eine lange Ansammlung kleiner Orte entlang einer großen Straße an der Küste. Hier war deutlich mehr los: mehr Hotels, mehr Restaurants, mehr Touristen, mehr Verkehr. Nach der ruhigen Insel fühlte sich das fast schon wieder nach Großstadt an.

Hier verbrachten wir unsere letzten acht Tage der Reise. Wir spazierten häufig am Strand entlang, beobachteten die Wellen und ließen die vergangenen Monate noch einmal Revue passieren. Einmal stürzten wir uns auch ins bunte Chaos eines Nachtmarktes. Zwischen unzähligen Souvenirshops, Essensständen und frisch gepressten Säften drängten sich die Menschen. Wir waren solche Menschenmengen gar nicht mehr gewohnt. Natürlich konnten wir trotzdem nicht widerstehen und nahmen einen Magneten und eine kleine Elefantenfigur als Souvenir mit.

Zum Abschluss unserer Reise unternahmen wir noch eine letzte Schnorcheltour zu den Surin Islands, einem geschützten Nationalpark etwa 90 Minuten mit dem Speedboat von Khao Lak entfernt. Das Meer dort draußen leuchtet in einem unglaublichen Blau. Wir hielten in drei verschiedenen Buchten und schnorchelten über farbenfrohe Korallenriffe. Besonders viele Hartkorallen waren zu sehen, dazu einige Weichkorallen und natürlich jede Menge Fische. Papagaienfische, Drückerfische, Schwärme von bunten Riffbarschen und immer wieder die kleinen Anemonenfische, die Carina so liebt. Mittags legten wir auf einer der Inseln an, wo ein kleines Buffet aufgebaut war. Danach spazierten wir noch ein Stück am Strand entlang. Weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und dichter Dschungel im Hintergrund – Carina beschrieb es ganz treffend als Postkartenstrand.

Und damit neigt sich unsere Zeit hier in Thailand und die Zeit der Weltreise nun doch dem Ende zu. Wir haben in den letzten Tagen immer wieder mal über das seltsame Gefühl gesprochen, aber es ist sehr schwer in Worte zu fassen. Auf der einen Seite sind wir so unglaublich dankbar für die tollen Momente und Erfahrungen auf dieser Reise und es kommt uns so vor als wäre unser Start in Costa Rica bereits Jahre her. Auf der anderen Seite verging die Zeit doch viel zu schnell und es gibt noch so viel mehr auf dieser Welt zu entdecken. Und dann ist da aber auch noch die Freude auf unser eigenes Zuhause, auf die Familie und die Freunde. Wenn wir euch alle wiedersehen, euch in den Arm nehmen können und euch voller Begeisterung von unserem Abenteuer erzählen. Wir freuen uns schon sehr auf die vielen Abende mit wilden Geschichten, herzlichem Lachen und vermutlich auch ein paar Freudentränen.

Was soll ich sagen. Es war eine überwältigende Reise. Wenn wir wieder in Deutschland landen, haben wir tatsächlich einmal die Welt umrundet. In 245 Tagen haben wir drei Kontinente und zehn Länder bereist. Wir sind mit Flugzeugen, Bussen, Autos, Fähren und Rollern unterwegs gewesen, standen auf über 5000 Metern Höhe und tauchten hinab in das tiefe Blau des Pazifiks. Wir waren im Dschungel von Costa Rica und Sumatra, haben Panama als neuen Sehnsuchtsort entdeckt, sind durch die Anden in Peru und Bolivien gereist, haben den Inka Trail nach Machu Picchu erwandert, die Salzwüste von Uyuni durchquert, unter dem unglaublichen Sternenhimmel der Atacama-Wüste gestanden, die Iguazú-Wasserfälle bestaunt, sind durch Patagonien gewandert und auf den Galápagos-Inseln mit Seelöwen, Schildkröten, Pinguinen, Haien und Meeresleguanen geschnorchelt. Wir haben das Great Barrier Reef gesehen und den vielleicht schönsten Roadtrip unseres Lebens entlang der Küste Australiens gemacht. Und selbst das ist noch längst nicht alles.

Weder Carina noch ich, können all das wirklich begreifen und fassbar machen. Wir finden es immer noch total verrückt, dass wir beiden kleinen Stubenhocker solch ein Abenteuer erlebt haben. Unser Staunen wird wohl noch eine ganze Weile anhalten und wir werden die vielen Erlebnisse und Begegnungen mit wundervollen Menschen aus der ganzen Welt für immer in unseren Herzen tragen. Diese Reise hat uns noch näher zusammengebracht und wir wissen, dass wir zusammen alles erreichen können, was wir uns auch wünschen. Mit diesem Vertrauen kommen wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück zu euch nach Hause. Vielen Dank an alle Menschen, die uns bei dieser Reise unterstützt haben und auch an die, die uns während der Reise geholfen haben.

Viele liebe Grüße
Carina und Andi

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