Mit dem Auto mitten rein in die Großstadt Melbourne – was kann da schon schiefgehen? Sechsspurige Straßen, Straßenbahnen, dichter Verkehr und natürlich Linksverkehr. Ein kleiner Adrenalinkick zum Abschluss unseres Roadtrips. Unsere Unterkunft lag mitten im CBD, also im Central Business District. Heißt: kein Drumherumkommen – wir mussten rein ins Getümmel.

Zweimal durften wir noch umparken, weil wir die Parkschilder zunächst falsch interpretiert hatten (Melbourne-Parkregeln sind eine Wissenschaft für sich), aber irgendwann standen wir tatsächlich vor unserem Apartmenthaus. Unsere Wohnung war im 34. Stock, klein, aber mit einer Aussicht, die alles wettgemacht hat.
Nachdem wir unser Gepäck hochgeschafft hatten und einer kurzen Verschnaufpause ging es direkt wieder los – diesmal quer durch die Stadt Richtung Flughafen. Wir hatten beschlossen, unser Auto zwei Tage früher zurückzugeben. In Melbourne braucht man wirklich kein Auto, die Parkgebühren sind astronomisch und das öffentliche Verkehrsnetz funktioniert hervorragend. Die Rückgabe verlief unkompliziert – keine Beanstandungen. Und trotzdem tat der Abschied ein bisschen weh. Dieses kleine Auto hatte uns 6.613 Kilometer zuverlässig durch Australien begleitet und Wind, Sonne und Regen getrotzt. Danke dir kleines Auto.
Melbourne zu Fuß – Geschichte, Gassen und ganz viel Kaffee
An unserem ersten vollen Tag machten wir wieder eine Stadtführung zu Fuß. Melbourne gilt als Kultur- und Kaffeehauptstadt Australiens – und das merkt man sofort.
Wir liefen vorbei an viktorianischen Prachtbauten, durch Parks, über weite Plätze und vor allem durch die berühmten Laneways – die kleinen Gassen, für die Melbourne so bekannt ist. Street Art, versteckte Bars, winzige Cafés, alte Arkaden wie die Block Arcade oder die Royal Arcade – überall gibt es etwas zu entdecken.
Unsere Stadtführerin, eine junge Studentin, hatte sichtlich Spaß an ihrem Job. Mit viel Humor erzählte sie von der Geschichte der Stadt. Melbourne wurde 1835 gegründet und war während des Goldrausches ab 1851 zeitweise eine der reichsten Städte der Welt. Der Goldfund war einer der Gründe, warum die Region eigenständig wurde.
Carina war sofort verliebt in die Café-Kultur. Melbourne nimmt Kaffee sehr ernst. Flat White, Long Black, Pour Over – hier ist Kaffee Religion. Wir mussten sogar scherzhaft schwören, Starbucks zu meiden. Alle lachten.
Besonders beeindruckt hat mich die Geschichte von Ned Kelly – Australiens berühmtestem Buschräuber, für manche ein Verbrecher, für andere eine Art Robin Hood. Seine originale Rüstung kann man heute in der State Library Victoria sehen. Natürlich mussten wir uns das anschauen. Diese massive Eisenrüstung wirkt in Echt noch viel surrealer als auf Bildern.
Auch die Geschichte von Zelda D’Aprano hat uns bewegt. Sie setzte sich in den 1960er-Jahren öffentlich für Lohngleichheit von Frauen ein und kettete sich aus Protest an ein Gebäude – mutig, laut und ihrer Zeit voraus.
Am Abend schlenderten wir noch durch die Gassen nahe unserer Unterkunft, suchten etwas Leckeres zu essen und landeten schließlich bei einem Italiener. Aperol Spritz zum Valentinstag – besser hätte der Abend nicht enden können.
St Kilda – Festival, Meer und Pinguine
Am nächsten Tag ging es mit der Straßenbahn nach St Kilda, dem Strandvorort von Melbourne. Eigentlich wollten wir nur wegen der Zwergpinguine hin – ja, Pinguine in einer Millionenstadt, wie verrückt ist das bitte?
Doch zufällig fand an diesem Wochenende auch das St Kilda Festival statt. Die Promenade war gesperrt, überall Bühnen, Bands, Essensstände aus aller Welt, ein Riesenrad, Karussells – ein riesiges Straßenfest mit tausenden Menschen. Wir stürzten uns mitten hinein, holten uns ein Eis, setzten uns ins Gras, hörten Live-Musik und tanzten ein bisschen mit. Diese Mischung aus Strand, Festival und Großstadt – typisch Melbourne.
Gegen Abend gingen wir zum Wellenbrecher am St Kilda Pier. Zwischen den Felsen lebt eine Kolonie von Zwergpinguinen – offiziell Little Penguins genannt, die kleinsten Pinguine der Welt. Tagsüber jagen sie im Meer, nach Sonnenuntergang kehren sie zu ihren Nestern zurück.
Wir waren etwas früh dran, aber hatten trotzdem Glück. Einige junge Pinguine watschelten neugierig zwischen den Felsen herum. So klein, so tapsig. Mit einem breiten Lächeln fuhren wir irgendwann zurück.
Carlton, Royal Exhibition Building und ein letzter Hauch Kultur
Am nächsten Tag waren wir auf eigene Faust unterwegs. Schnell noch unsere Kühlbox bei einem Pfandhaus verkauft – Roadtrip-Realität. Dann ging es nach Carlton, das italienisch geprägte Viertel nördlich des Zentrums. Dort tranken wir noch einmal richtig guten Kaffee.
Auf dem Rückweg liefen wir durch die Carlton Gardens, vorbei am beeindruckenden Royal Exhibition Building – UNESCO-Welterbe und eines der wenigen erhaltenen Weltausstellungsgebäude des 19. Jahrhunderts weltweit.
Danach zog es uns in die State Library. Der große Lesesaal mit seiner Kuppel ist fast schon ein kleines Kunstwerk für sich – und der Eintritt ist kostenlos. Wir bewunderten zwei der derzeitigen Ausstellungen und amüsierten uns ein wenig über die fleißigen Studenten beim Lernen.
Ein letzter Luxusmoment und Broadway-Gefühl
Am vorletzten Tag zogen wir um. Dank gesammelter Amex Punkte gönnten wir uns eine Nacht im Marriott. Infinity Pool im 6. Stock, Fitnessstudio, bequeme Betten – wir haben wirklich alles ausgekostet.
Für unseren letzten Abend hatte Carina uns Karten für das Musical „Anastasia“ im historischen Regent Theatre besorgt. Schon das Theater selbst ist ein Traum – opulent, goldverziert, fast schon königlich. Das Musical war großartig: starke Stimmen, Humor, Emotionen, Gänsehaut-Momente. Ein perfekter Abschiedsabend von Melbourne und Australien.
Abschied im Royal Botanic Garden
An unserem letzten Tag spazierten wir noch durch die Royal Botanic Gardens Victoria. Zwischen Palmen, Seen und riesigen alten Bäumen ließen wir die letzten acht Wochen Revue passieren.
6.613 Kilometer.
3 Bundesstaaten.
18 Orte entlang der Ostküste.
Schnorcheln im Great Barrier Reef. Weihnachten im Pool in Cairns. Surfen und Strandleben an der Gold Coast. Kängurus im Hunter Valley. Wanderungen in den Schluchten der Blue Mountains. Wilde Koalas auf Raymond Island. Wombats in Wilsons Prom. Goldsuche im Golden Triangle. Pinguine in St Kilda. Und das Großstadtleben in Brisbane, Sydney und Melbourne.
Australien hat uns nicht nur mit Landschaften und Tieren beeindruckt, sondern vor allem mit den Menschen. Mit ihrer Offenheit, ihrer Gelassenheit, ihrer Herzlichkeit. Wir haben hier ein kleines Stück unseres Herzens verloren. Und wir wissen jetzt schon: Wir kommen zurück. Es gibt hier noch so viel Neues zu entdecken und Altes zu dem wir noch einmal zurückkehren möchten.
Danke Australien für diese wundervolle Zeit.
Liebevolle und herzliche Grüße
Andi



