Tag 209 bis 211 –Wombat-Glück im Wilsons Promontory National Park

Nach der entspannten Auszeit in Rye ging es für uns weiter in die Wildnis – genauer gesagt in den Wilsons Promontory National Park, von den Einheimischen liebevoll einfach nur „The Prom“ genannt. Ein riesiges Schutzgebiet mit Bergen, dichten Wäldern, weißen Stränden und unzähligen Wanderwegen. Campen, Mehrtagestouren, Wildlife – hier gibt es alles, was das Outdoor-Herz höherschlagen lässt.

Unser großes Ziel: wilde Wombats sehen. Und ich kann euch schon verraten – wir haben es geschafft. Mehr als wir je erwartet hätten.

Alle Unterkünfte direkt im Nationalpark war leider ausgebucht , also haben wir in Leongatha übernachtet. Von dort waren es ungefähr eine Stunde Fahrt bis zu den Wanderwegen im Park – schon ein Stück aber noch absolut machbar.

Wilsons Prom liegt an der südlichsten Spitze des australischen Festlands von Victoria – nicht ganz der südlichste Punkt Australiens insgesamt (Tasmanien liegt ja noch darunter), aber hier fühlt es sich definitiv nach „Ende der Welt“ an. Die Halbinsel ist geprägt von Granitbergen, Regenwald-Abschnitten, offenen Grasflächen und diesen fast unwirklich schönen Stränden, für die Australien so berühmt ist. Wir haben uns bewusst nur ein paar kürzere Wanderungen ausgesucht – der Park ist riesig, alles schafft man ohnehin nicht.

Unser erster Stopp war der sogenannte Wildlife Walk in der Nähe von Tidal River. Die Hoffnung: Wombats. Die Realität: wahrscheinlich zu früh am Nachmittag. Wombats sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv, tagsüber schlafen sie meist in ihren ausgedehnten Erdhöhlen. Wir entdeckten ein paar Kängurus und auch einzelne Wallabys – süß, keine Frage, aber nach den letzten Wochen in Australien sind Kängurus für uns fast schon „alte Bekannte“.

Danach zog es uns zur Whisky Bay. Und wow – dieser Strand. Türkisblaues Wasser, riesige runde Granitfelsen, weißer Sand und dahinter sattgrüner Wald. Die Buchten hier wirken fast gemalt, als hätte jemand die Farben ein kleines bisschen zu intensiv eingestellt. Wir wanderten erst zu einem Aussichtspunkt oberhalb der Bucht und anschließend hinunter zum Strand. Der Wind, das Rauschen der Wellen und diese Weite – Wilsons Prom hat sofort etwas Wildes und Ursprüngliches.

Am nächsten Tag starteten wir einen neuen Versuch – diesmal mit besserem Timing. Unser Ausgangspunkt war der große Campingplatz am Tidal River, dem Herzen des Parks. Von dort liefen wir den Tidal Overlook Circuit. Der Weg führte entlang des Tidal River, dann hinauf Richtung Pillar Point Lookout, durch dichten Wald und schließlich wieder zurück ins Tal. Von oben hatten wir einen großartigen Blick über Norman Beach und das Meer – diese Mischung aus Fluss, Bergen und Ozean ist einfach beeindruckend.

Anschließend spazierten wir noch hinüber zum Norman Beach. Und dann, völlig unerwartet, im Gebüsch hinter den Dünen: ein Wombat. Einfach so. Er trottete gemütlich am Wegesrand entlang und suchte nach frischen Kräutern. Wir standen nur ein paar Meter entfernt und konnten ihm ganz in Ruhe beim Mampfen zuschauen. Wie cool ist das denn bitte? Diese gedrungenen Körper, das tapsige Laufen – sie sehen ein bisschen aus wie überdimensionale, flauschige Brote mit Beinen.

Danach liefen wir noch ein Stück am Strand entlang und hinter den Dünen zurück – aber kein weiteres Wombat wollte sich zeigen. Also holten wir unser vorbereitetes Abendbrot aus dem Auto und machten es uns auf einer Parkbank gemütlich. In der Abenddämmerung wurde es plötzlich laut in den Bäumen. Schwärme von Vögeln sammelten sich, besonders die rosafarbenen Galahs (Rosakakadus) und die weißen Corellas. Ein wildes Kreischen, Flattern, Durcheinander – als würde der Tag mit einem letzten Spektakel verabschiedet werden.

Und dann kam unser finaler Versuch auf dem Wildlife Walk. Schon zu Beginn graste eine größere Gruppe Kängurus auf der offenen Fläche, dazwischen vereinzelte Wallabys. Wir gingen weiter, vorbei an einer Wombat-Höhle, und sagten noch halb im Spaß: „Wie verrückt wäre es, wenn jetzt genau hier ein Wombat rauskommt.“

Und dann passierte es.

Ein rundes, dickes Wombat-Gesicht tauchte tatsächlich im Eingang der Erdhöhle auf. Erst nur die Nase. Dann die kleinen Augen. Und schließlich kam es langsam komplett heraus. Carina reagierte blitzschnell und zückte die Kamera. Wir standen einfach nur da und konnten unser Glück kaum fassen. Das Wombat trottete gemächlich an uns vorbei, völlig unbeeindruckt, und verschwand nach ein paar Metern schließlich im Gebüsch.

Auf dem restlichen Rundweg sahen wir noch drei weitere Wombats: eines kurz im Gebüsch, eines weiter entfernt auf einer offenen Grasfläche und ein letztes fast am Parkplatz, als es schon richtig dunkel wurde. Zusammen mit dem Wombat vom Strand also insgesamt fünf an einem Tag.

Fünf.

Wir fuhren an diesem Abend überglücklich zurück nach Leongatha. Wilsons Prom hat uns nicht nur mit seinen Stränden und Landschaften beeindruckt, sondern uns auch genau diesen einen magischen Moment geschenkt, den wir uns so sehr gewünscht hatten.

Dicke Wombat Grüße vom südlichsten Zipfel Victorias
Andi

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