Tag 203 bis 204 – Geheimtipp Raymond Island – Wo die Koalas wohnen

Von der Ostküste Australiens ging es für uns weiter Richtung Süden – natürlich wieder ein gutes Stück auf dem berühmten Highway 1, der uns inzwischen wie ein alter Bekannter begleitet. Unser Ziel lag diesmal an der Südküste im kleinen Ort Paynesville, direkt an den Gippsland Lakes, einem riesigen Netz aus Seen und Lagunen im Bundesstaat Victoria. Die Strecke dorthin führte durch endlos wirkende Landschaften, kleine Farmen, Wälder und gefühlt sehr viel Nichts dazwischen. Normalerweise suchen wir uns unterwegs spontan etwas zu essen, aber diesmal mussten wir tatsächlich vorher einkaufen – über mehrere Stunden hinweg gab es kaum Orte, geschweige denn Restaurants. Diese südöstliche Ecke Australiens ist wirklich überraschend ländlich und ruhig.

Am späten Nachmittag kamen wir schließlich in Paynesville an. Unsere Unterkunft lag praktischerweise nur ein paar hundert Meter von der kleinen Fähre entfernt, die im 20 Minutentakt über den McMillan Strait zur Raymond Island fährt – für Fußgänger sogar kostenlos. Nach der langen Autofahrt wollten wir uns noch die Beine vertreten und entschieden spontan, gleich mal rüberzufahren und einen ersten Eindruck zu sammeln. Auf der Insel beginnt direkt an der Fähre der berühmte Koala Trail, ein etwa zwei Kilometer langer Rundweg, auf dem man mit etwas Glück die knuffigen Bewohner entdecken kann. Uns wurde vorher gesagt: „Schaut wirklich in jeden Baum!“ – und genau das haben wir dann auch gemacht.

Am Anfang war noch nichts zu sehen und wir scherzten schon darüber, dass wir uns am Ende des Spaziergangs wahrscheinlich eine ordentliche Nackenstarre eingefangen hätten – bis wir plötzlich unseren ersten Koala entdeckten. Wie eine kleine graue Kugel zusammengerollt saß er hoch oben in einer Astgabel und schlief tief und fest. Ein paar Meter weiter dann der nächste… und noch einer… und noch einer. Es fühlte sich fast surreal an. Raymond Island ist tatsächlich bekannt für seine hohe Koala-Dichte, weil die Tiere hier in Ruhe in den Eukalyptusbäumen leben können. Manche der Koalas waren aktiv, knabberten gemütlich Blätter oder streckten sich genüsslich in der Nachmittagssonne. Kurz vor Ende unseres Rundgangs entdeckten wir sogar eine Mutter mit ihrem Nachwuchs – schon ziemlich groß, aber trotzdem noch eng an sie gekuschelt. Am Ende hatten wir unglaubliche 19 Koalas gezählt. Was für ein perfekter erster Spaziergang!

Am nächsten Tag erkundeten wir vormittags Paynesville selbst. Der kleine Ort ist ein beliebter Ausgangspunkt für Bootstouren auf den Gippsland Lakes, wirkt aber gleichzeitig herrlich entspannt und bodenständig. Wir spazierten entlang der Promenade, beobachteten die Boote im Wasser und genossen einfach die ruhige Atmosphäre. Am Nachmittag zog es uns natürlich nochmal zurück nach Raymond Island – diesmal mit mehr Zeit und ohne Eile. Wir liefen eine größere Runde durch die Wohngebiete und Naturwege der Insel und waren inzwischen echte Koala-Profis. Am Ende des Tages standen unglaubliche 23 Koalas auf unserer Liste – plus eine kleine Gruppe Kängurus, die einfach entspannt in einem Vorgarten herumstanden, als wäre das das Normalste der Welt.

Das Schönste an diesem Ort war aber die Ruhe. Kaum andere Besucher, keine Souvenirshops, kein Trubel – nur ein paar Spaziergänger, das Rascheln der Eukalyptusbäume und gelegentlich das leise Knacken von Zweigen, wenn irgendwo wieder ein Koala seine Position wechselte. Für uns fühlte sich Raymond Island wie ein kleines verborgenes Juwel an, eines dieser Reiseziele, die man am liebsten geheim halten möchte, damit sie genau so bleiben wie sie sind.

Grüße aus der Koala-Hauptstadt
Andi

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