Tag 189 bis 190 – Wandern im Nebel des Dorrigo Nationalparks

Unser nächster Halt auf dem Roadtrip führte uns nach Dorrigo und in den gleichnamigen Dorrigo National Park. Nach vielen Tagen am Meer, am Strand und im Salzwasser hatten wir Lust auf etwas ganz anderes: Wandern, Grün, kühle Luft – und eine Seite Australiens, die viele gar nicht auf dem Schirm haben.
Hier oben im Hochland von New South Wales beginnt der sogenannte Gondwana-Regenwald, ein Überbleibsel uralter Wälder, die sich vor über 180 Millionen Jahren entwickelt haben. Also wirklich: Urzeit pur.

Wir kamen erst am späten Nachmittag in Dorrigo an – nicht ganz freiwillig. Der berühmte Waterfall Way, die Straße, die sich spektakulär durch die Berge schlängelt, war wegen eines Erdrutsches gesperrt. Später erfuhren wir, dass das hier tatsächlich öfter vorkommt und die Einheimischen das ziemlich gelassen sehen. Für uns hieß das: Umleitung über kleine Dörfer, schmale Straßen und nasse Feldwege.
Das Auto sah danach aus wie frisch aus einem Schlammloch gezogen – aber hey, wir sind sicher angekommen. Prioritäten.

Nach dem Auspacken wollten wir trotzdem noch kurz raus und fuhren zum Dangar Falls. Ein wunderschöner Wasserfall, eingebettet in dichtes, sattgrünes Dickicht. Selbst am späten Nachmittag lag hier eine ganz besondere Stimmung in der Luft – feucht, ruhig, fast mystisch.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker früh. Eigentlich wie immer, um der Hitze zuvorzukommen. Doch hier oben im Dorrigo-Plateau ist alles anders: Es war kühl, feucht und fast schon herbstlich. Ganz ehrlich – wir hätten locker noch zwei Stunden liegen bleiben können. Aber egal. Regenjacke an, Wanderschuhe geschnürt.

Unser Ziel war das Rainforest Center, der Ausgangspunkt für viele Wanderungen. Und natürlich – kaum angekommen – fing es an zu regnen. Also erst einmal kurz rein, ein bisschen informieren und dann, 15 Minuten später, ging es los Richtung Crystal Falls.

Direkt am Zentrum befindet sich der Dorrigo Skywalk – eine Aussichtsplattform, die von den Klippen aus weit über die Baumwipfel hinausragt. Normalerweise hat man von hier einen spektakulären Blick über das gesamte Tal bis hin zur Küste. Normalerweise.
An diesem Tag hing der Skywalk mitten in einer Wolke. Alles grau in grau. Auch irgendwie cool – nur eben anders.

Dann starteten wir auf dem Wonga Walk. Viele Stufen führten hinunter, immer tiefer ins Tal, direkt entlang der Felswand. Und mit jedem Meter wurde der Wald beeindruckender. Riesige, uralte Bäume, gigantische Baumfarne, Moose, Lianen – Pflanzen, die aussehen, als wären sie direkt aus einem Dinosaurierfilm entsprungen. Es fühlte sich wirklich an wie ein Land vor unserer Zeit.

Wir hatten gehofft, viele Tiere oder zumindest Vögel zu sehen. Aber der Regen hatte wohl alle dazu gebracht, sich ein trockenes Plätzchen zu suchen. Stattdessen entdeckte ich jede Menge Pilze in leuchtenden Farben – rot, orange, gelb. Kleine Kunstwerke am Wegesrand.

Dann erreichten wir die Crystal Falls. Ein wunderschöner Wasserfall – und das Highlight: Man kann hinter dem Wasserfall entlanglaufen. Genau dort, wo es besonders feucht, grün und schattig ist… und damit leider auch das Paradies für Blutegel.
Und ja: Keine zwei Minuten später hatte ich zwei von ihnen am Knöchel kleben. Zum Glück habe ich sie sofort bemerkt und konnte sie einfach mit dem Fingernagel lösen. Trotzdem – ein bisschen eklig bleibt es.

Der Rückweg führte uns wieder hinauf zum Rainforest Centre. Und natürlich hörte der Regen exakt in dem Moment auf, als wir oben ankamen. Klassiker.
Trotzdem: Es war eine wunderschöne kleine Wanderung und ein ganz besonderes Erlebnis, durch diesen uralten Regenwald zu laufen. Danach ging es zurück in unser kleines Häuschen – aufwärmen, trockene Sachen, einkuscheln.

Am Nachmittag fuhren wir noch ins Stadtzentrum von Dorrigo. Im Grunde eine einzige Straße, aber mit richtig süßen kleinen Läden. Kein großes Einkaufszentrum, kein Ketten-Einheitsbrei – dafür echte, lokale Geschäfte. Wir bummelten ein wenig, kamen mit ein paar Einheimischen ins Gespräch und gönnten uns einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. Genau unser Tempo.

Am nächsten Morgen hieß es leider schon wieder Abschied nehmen. Aber diesmal zeigte sich Dorrigo von seiner sonnigen Seite: strahlend blauer Himmel. Ernsthaft – hätte das nicht gestern sein können?

Also fuhren wir nochmal kurz zum Rainforest Center und auf den Skywalk. Und diesmal: freie Sicht über das ganze Tal. Endlose grüne Hügel, Nebelschwaden in der Ferne, einfach wunderschön.

Ein perfekter Abschluss für unseren Abstecher in eine der ursprünglichsten Landschaften Australiens.

Urzeitliche Grüße
Andi

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