Tag 114 bis 116 – Drei Tage Ruhe im Tigre-Delta

Bevor wir uns in den Großstadttrubel von Buenos Aires stürzen, wollten wir uns noch ein paar ruhige Tage gönnen – und dafür gibt es in Argentinien kaum einen besseren Ort als Tigre, das Tor zum berühmten Paraná-Delta. Tigre ist offiziell zwar Teil der Metropolregion Buenos Aires, aber es fühlt sich an wie eine ganz eigene Welt. Sobald man den Hafen verlässt, verzweigen sich unzählige Flussarme in alle Richtungen, dazwischen liegen kleine Inseln, Ferienhäuser auf Stelzen, Holzstege und dichte Vegetation. Alles ein bisschen versteckt, ein bisschen wild, ein bisschen magisch. Und genau das lieben wir.

Unsere kleine Ferienanlage bestand aus nur acht Bungalows, einem Pool, einer Frühstücksterrasse und einer großen, grünen Wiese, die sich direkt zum Entspannen angeboten hat. Als wir ankamen, haben wir genau das gemacht: einfach mal gar nichts. In die Sonne legen, lesen, den Blick über das Wasser schweifen lassen und den Vögeln zuhören. Nach den letzten Wochen voller Städte, Busfahrten und Programmpunkten war das eine Wohltat.

Am nächsten Tag haben wir uns dann tatsächlich mal motivieren können, Sport zu machen – was inzwischen schon fast eine kleine Sensation ist. Die Wiese vor unserem Bungalow war perfekt dafür. Nachdem wir ordentlich geschwitzt hatten, ist Carina mutig in den eiskalten Pool gesprungen, während ich es etwas eleganter gelöst habe und nur meine Füße hineingehalten habe.

Später wollten wir eigentlich spazieren gehen, aber das stellte sich als schwierig heraus: Die Insel besteht fast nur aus privaten Grundstücken, und man kommt kaum irgendwo durch. Also haben wir kurzerhand umgeplant und uns das Kanu geschnappt. Und ehrlich gesagt: Das war sowieso viel besser. Hier im Delta macht es viel mehr Sinn, sich auf dem Wasser fortzubewegen. Vom Kanu aus konnten wir uns all die kleinen Häuser ansehen, einige bunt, manche alt, manche modern – alle direkt am Fluss, oft nur über Stege erreichbar. Ein richtig schöner Einblick in dieses besondere Leben am Wasser.

Für unseren dritten Tag hatten wir uns vorgenommen, ein wenig das Festland von Tigre zu erkunden. Besonders empfohlen wurde uns der Puerto de Frutos, der alte Früchtehafen, der heute voller kleiner Handwerksläden und lokaler Produkte steckt.

Nur spielte das Wetter so gar nicht mit. Es regnete praktisch den ganzen Tag. Aber wir sind vorbereitet und lassen uns von ein bisschen Regen nicht aufhalten. Unser Gastgeber setzte uns mit seinem Boot zum Festland über und dann ging es los. Der alte Hafen war wirklich schön, und wir haben sogar ein paar Souvenirs gefunden. Anschließend suchten wir Schutz in einem kleinen Café, und genau in diesem Moment öffnete der Himmel endgültig die Schleusen. Es schüttete wie aus Eimern, als hätte jemand den Regenmodus auf „Tropensturm“ gestellt. Also blieb es beim langen Mittagessen, bis wir irgendwann das Gefühl hatten, dass wir wieder raus können, ohne davon zuschwimmen.

Danach spazierten wir trotz Nieselregen weiter entlang der Promenade zum Museo de Arte Tigre, das früher ein luxuriöser Club war. Wir sind vor allem wegen der Architektur hinein, weil das Gebäude einfach wunderschön ist. Innen war es genauso charmant, mit viel Marmor, alten Treppen und Blick auf den Fluss.

Und dann waren unsere ruhigen Tage im Tigre-Delta auch schon wieder vorbei. Drei Tage zwischen Wasser, Grün und Vogelgezwitscher – die perfekte Pause, bevor es für uns weitergeht ins Herz von Buenos Aires.

Grüße aus dem Delta,
Andi

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