Tag 135 bis 138 – Torres-del-Paine: Zwischen Wind und Postkartenmotiv

Mit dem Bus ging es für uns von Argentinien nach Chile – wieder einmal über eine Grenze, die erstaunlich unkompliziert verlief. Während der Fahrt klebten wir regelrecht an den Fenstern, denn draußen zog Patagonien noch einmal alle Register: endlose Ebenen und in der Ferne immer wieder schneebedeckte Bergspitzen. Als dann plötzlich ein paar Guanacos –  die wilden Verwandten der Lamas – elegant über die Felder liefen, war klar: Wir sind endgültig im Herzen von Patagonien.

In Puerto Natales angekommen, ging es für uns direkt zur Autovermietung. Auf Empfehlung anderer Reisender hatten wir uns hier ein Auto gemietet – und das sollte sich als goldrichtige Entscheidung herausstellen. Puerto Natales selbst ist ein kleines, eher unscheinbares Städtchen, aber der perfekte Ausgangspunkt für eines der spektakulärsten Naturgebiete Südamerikas: den Torres-del-Paine-Nationalpark.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker früh, denn etwa zwei Stunden Fahrt lagen vor uns. Schon auf dem Weg in den Park wechselten sich Schotterstraßen, weite Landschaften und dramatische Bergkulissen ab. Und dann waren sie plötzlich da: die berühmten Gipfel, die man von unzähligen Postkarten kennt. Die drei Torres, das Herzstück des Parks. Wir hatten uns bewusst gegen die bekannten und ziemlich teuren Mehrtageswanderungen entschieden. Zum Glück lässt sich der Park auch wunderbar auf eigene Faust mit dem Auto erkunden, kombiniert mit kürzeren Wanderungen – perfekt für uns.

Unsere erste Route führte uns zum Salto Grande, einem kräftigen Wasserfall, der den türkisfarbenen Lago Nordenskjöld mit dem Lago Pehoé verbindet. Von dort ging es weiter zu einem der schönsten Panoramapunkte mit Blick auf die markante Bergkette Los Cuernos del Paine, deren dunkle Spitzen wie Hörner aus dem Massiv ragen. Das Wetter war traumhaft, die Sonne strahlte – nur der patagonische Wind meinte es mal wieder sehr ernst mit uns. Teilweise blies er so stark, dass man sich richtig dagegenlehnen musste. Aber genau das macht diesen Ort auch aus. Patagonien ist wild, rau und ehrlich.

Entlang der Wege entdeckten wir immer wieder Guanacos, die völlig unbeeindruckt von den Besuchern durch die Landschaft zogen. Einen Puma haben wir leider nicht gesehen, obwohl der Park tatsächlich eine der höchsten Pumadichten weltweit hat. Zum Abschluss gönnten wir uns noch einen Kaffee und ein Snickers – beides fühlte sich nach Luxus an. Überhaupt waren wir positiv überrascht von der Infrastruktur im Park: kleine Cafés, gut ausgebaute Wege und sogar saubere, kostenlose Toiletten. Nach unseren Wanderungen in Peru kam uns das fast schon dekadent vor.

Am nächsten Tag ging es ein weiteres Mal in den Nationalpark. Wir hatten uns zwei kürzere Wanderungen ausgesucht. Die erste hatte zwar ein paar steilere Passagen, aber dank unseres Höhentrainings in den Anden schafften wir den Aufstieg erstaunlich locker. Oben angekommen wurden wir mit einem unglaublichen Blick auf das Paine-Massiv und den intensiv türkisfarbenen Lago Pehoé belohnt. Die Farben wirkten fast surreal, als hätte jemand an der Sättigung gedreht. Spätestens hier verstanden wir, warum so viele Menschen davon träumen, einmal in Torres del Paine zu wandern.

Die zweite Wanderung mussten wir leider kurz vor dem Ziel abbrechen. Der Weg wurde immer steiler und ohne Wanderstöcke hatten wir Respekt vor dem Abstieg. Manchmal ist Umkehren einfach die vernünftigere Entscheidung. Die Aussicht unterwegs war trotzdem spektakulär, und so genossen wir sie ganz ohne Gipfelstress. Zum Abschluss wieder ein Kaffee, ein letzter langer Blick in die Landschaft – und dieses Gefühl, einen Ort erlebt zu haben, der einem noch lange im Kopf bleibt.

An unserem letzten Tag in Puerto Natales waren wir ehrlich gesagt ziemlich müde. Statt weiterer Wanderungen entschieden wir uns für einen entspannten Tag. Wir schlenderten ein wenig durch die Stadt, die allerdings selbst nicht besonders viel zu bieten hat. Die meisten Reisenden scheinen es wirklich nur als Übernachtungsmöglichkeit zu nutzen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Entspannen und ein paar Folgen Stranger Things. Nach all den Outdoor-Abenteuern durfte das auch mal sein.

Am nächsten Tag ging es weiter zu unserem letzten Stopp in Patagonien: Punta Arenas. Was wir dort erlebt haben, erzählen wir euch im nächsten Beitrag.

Windige Grüße,
Carina

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