Tag 205 bis 208 – Wein, Wind und Wellness, unser Abstecher nach Rye

Unser nächster Halt führte uns nach Rye auf der Mornington Peninsula, nur etwa anderthalb Stunden südlich von Melbourne – und doch fühlt sich diese Halbinsel wie eine ganz eigene kleine Welt an. Während auf der einen Seite die geschützte Port Phillip Bay liegt, wartet auf der anderen Seite der offene Ozean. Genau dieser Kontrast macht die Region so besonders.

Am ersten Tag wollten wir die Halbinsel einfach ein bisschen auf uns wirken lassen. Also bummelten wir durch die kleinen Küstenorte mit ihren Boutiquen, Cafés und Galerien. Rye selbst ist entspannt und familiär, kein schicker Luxusort, sondern angenehm bodenständig. Danach ging es an den Strand und zum Pier. Das Wasser in der Bucht war unglaublich flach, ruhig und schimmerte in einem fast karibischen Türkisblau. Kaum Wellen, nur sanftes Plätschern – ein kompletter Gegensatz zu dem, was uns später noch erwarten sollte.

Später zog es uns weiter hinaus zum Point Nepean National Park, an die Spitze der Halbinsel. Hier endet das Land abrupt und trifft auf die gewaltige Einfahrt zur Port Phillip Bay. Doch nicht nur landschaftlich ist dieser Ort besonders. Auf dem Gelände befand sich früher eine Quarantänestation, die Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde. Zwischen 1885 und den 1930er Jahren wurden dort unter anderem auch Menschen mit Lepra isoliert untergebracht – allerdings war es keine eigenständige Lepra-Kolonie, sondern Teil der allgemeinen Quarantäneeinrichtung für Einreisende nach Victoria. Kaum vorstellbar, dass hier einst Menschen wochen- oder monatelang ausharren mussten. Beim Spaziergang zwischen den historischen Mauern, mit Blick auf das Meer, spürt man diese Mischung aus Natur und Geschichte sehr deutlich.

Und dann wechselten wir die Seite der Halbinsel – hinüber zur wilden Ozeanküste. Plötzlich war alles anders. Statt ruhigem, türkisfarbenem Wasser erwarteten uns schroffe Felsen, hohe Wellen und kräftiger Wind. Die Brandung donnerte gegen die Klippen, Möwen kreischten und die Böen zerrten an uns. Es war rau, dramatisch und wunderschön zugleich. In einem kleinen Restaurant direkt an der Klippe fand genau in diesem Moment eine Hochzeit statt. Natürlich blieben wir neugierig noch ein bisschen stehen – und warteten zumindest darauf, einen Blick auf die Braut zu erhaschen.

Am nächsten Tag stand pure Entspannung auf dem Programm. Am Nachmittag fuhren wir zu den berühmten Peninsula Hot Springs, einer natürlichen Thermalquelle-Anlage mitten in der Landschaft. Überall kleine Pools mit unterschiedlich warmem Wasser, Hängematten zwischen den Bäumen, Dampfbäder und ruhige Rückzugsorte. Nach den vielen Kilometern im Auto und den Wanderungen der letzten Wochen war das genau das Richtige. Wir wechselten von Becken zu Becken, ließen die Seele baumeln und genossen einfach das Nichtstun.

An unserem letzten Tag ging es – wie könnte es anders sein – nochmal zur Weinverkostung. Die Mornington Peninsula ist bekannt für ihren Pinot Noir und Chardonnay, die hier im kühleren Klima besonders gut gedeihen. Die Weine waren wirklich hervorragend, keine Frage. Aber die Atmosphäre war diesmal eine ganz andere als im Hunter Valley. Es war Wochenende – und gefühlt fanden mindestens fünf Junggesellinnenabschiede gleichzeitig statt. Viel Gelächter, viel Geschnatter und eine Menge bunter Kleider. Wir verzogen uns etwas in eine ruhigere Ecke, nippten an unserem Glas und genossen den Wein auf unsere eigene, etwas leisere Art.

Die Mornington Peninsula hat uns mit ihrem Kontrast aus ruhiger Bucht, wilder Ozeanküste, Geschichte, Wein und Wellness wirklich überrascht. Ein perfekter letzter entspannter Stopp, bevor es für uns weiterging.

Meeresbrise-Grüße
Andi

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