Als letztes waren wir in Sydney unterwegs und nun hieß es für uns wieder: Motor an und weiter Richtung Süden. Kurz hatten wir überlegt, einen Abstecher nach Canberra zu machen – der oft etwas unterschätzten Hauptstadt Australiens mit vielen Museen und Regierungsgebäuden. Aber ehrlich gesagt kamen wir gerade erst aus der Großstadt und hatten mehr Lust auf Natur, Weite und Ruhe. Also entschieden wir uns für die Küstenroute. Seit Cairns folgen wir immer wieder dem Highway 1, einem riesigen Straßennetz, das einmal rund um ganz Australien führt und zu den längsten Nationalstraßen der Welt gehört. Zwar verlassen wir ihn immer mal wieder für kleine Abstecher, aber irgendwie landen wir doch immer wieder auf diesem vertrauten Asphaltband – und das wird wohl bis Melbourne auch so bleiben.
Unsere nächste Unterkunft lag rund 430 Kilometer südlich in Buckajo, in der Nähe der kleinen Stadt Bega an der sogenannten Sapphire Coast – einer Region, die bekannt ist für grüne Hügel, Landwirtschaft und ihre Nähe zum Meer. Schon nach den ersten zwei Stunden merkten wir, wie die Großstadt langsam hinter uns verschwand. Die Landschaft wurde ländlicher, ruhiger und irgendwie ursprünglicher. Wälder wechselten sich mit weiten Weiden ab, auf denen Kühe grasten, dazwischen kleine verschlafene Orte, die wirkten, als würde hier die Zeit ein bisschen langsamer laufen.
Zum Mittag hielten wir nur kurz bei „Guzman y Gomez“, einer mexikanischen Fast-Food-Kette, die es hier gefühlt an jeder Ecke gibt. Frische Burritos, Tacos und Bowls – warum gibt es sowas eigentlich nicht in Deutschland? Schnell gestärkt ging es weiter Richtung Süden.
Unser nächster Stopp war Batemans Bay, ein hübscher Küstenort, der vor allem für seine Austern bekannt ist. Hier liegen mehrere Austernfarmen direkt in den ruhigen Gewässern der Bucht. Natürlich mussten wir das ausprobieren. Also kauften wir ein halbes Dutzend frische Sydney Rock Austern – direkt von der Farm, mit ein bisschen Zitrone dazu. Ich durfte als erstes probieren, während Carina die Kamera gezückt hatte. Augen zu und durch, dachte ich mir. Ein Spritzer Zitrone drauf und runter damit. Und ehrlich gesagt – es war ganz anders als erwartet. Frisch, leicht salzig und gar nicht so intensiv im Geschmack wie befürchtet. Weder überwältigend lecker noch eklig – einfach… interessant 😄. Carina probierte danach ebenfalls und kam zu einem ähnlichen Fazit. Ein Erlebnis war es allemal, auch wenn wir jetzt nicht plötzlich zu großen Austern-Fans geworden sind.
Danach machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Australia Rock, einer kuriosen Felsformation direkt an der Küste bei Narooma. Der große Felsen hat ein natürliches Loch in Form der Australien-Karte – ziemlich verrückt, was die Natur so formt. Während wir gemütlich am Wasser entlang spazierten und eigentlich nur ein paar Fotos machen wollten, entdeckten wir plötzlich Bewegung auf den Felsen unter uns. Mehrere australische Seebären lagen entspannt in der Sonne oder spielten im Wasser zwischen den Wellen. Wir hätten ewig zuschauen können – dieses neugierige Herumtollen erinnerte uns sofort an unser Schnorchelabenteuer mit den Seelöwen auf den Galápagos-Inseln. Carina war direkt wieder im Abenteuer-Modus und hätte am liebsten ihre Sachen gepackt und wäre ins Wasser gesprungen 😄. Wir beließen es dann doch beim Zuschauen, aber es war einer dieser unerwarteten Momente auf Reisen, die sich besonders einprägen.
Und dann ging es die letzten zwei Stunden weiter Richtung Unterkunft. Die Landschaft wurde immer ruhiger, die Straßen immer schmaler. Das letzte Stück führte über eine staubige Sandpiste zwischen Kuhweiden hindurch, über Hügel rauf und runter bis zu einem alten Tor. Dahinter lag unsere Unterkunft – eine modern ausgebaute Blechhütte mitten im Grünen, erst vor Kurzem renoviert, mit großen Panoramafenstern und Blick über ein weites Tal. Hügel zogen sich links und rechts entlang, in der Ferne grasten Pferde und Kühe – absolute Ruhe, nur Wind und Vogelgeräusche.
Wir hatten hier bewusst keine großen Pläne. Keine spektakulären Sehenswürdigkeiten, keine festen Programmpunkte – einfach zwei Tage nur für uns. Lesen, entspannen, Gedanken sortieren und die letzten Wochen Revue passieren lassen. Es ist verrückt, dass wir schon seit sechs Wochen in Australien unterwegs sind und nur noch zwei Wochen vor uns liegen. Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell.
Und so verbrachten wir zwei ganz ruhige Tage in unserem kleinen Rückzugsort, weit weg vom Trubel der Städte – genau das, was wir nach Sydney gebraucht haben.
Ländliche Grüße
Andi