Von Salta nach Cafayate zu fahren, war wie eine Mini-Weltreise in drei Stunden. Kaum waren wir los, begann die Landschaft auch schon ihren Farbwechsel-Marathon. Erst war alles saftig grün, dann plötzlich rot wie Marsgestein, später wieder beige, steinig, karg, fast schon eine Mondlandschaft. Die Berge wechselten gefühlt im Minutentakt das Outfit. Zum Glück hatten wir die Jackpot-Sitze im Bus – ganz vorne oben mit Panorama-Ausblick. Das war wie im Kino, nur besser, weil die Landschaft im „echtem Leben“ direkt vor uns stattfand.
Je näher wir Cafayate kamen, desto mehr Weinreben tauchten links und rechts der Straße auf. Endlose Weinfelder unter der warmen Sonne – und Carina hatte endlich das Wetter, das sie sich seit Wochen gewünscht hatte. Keine Daunenjacke, kein Wind, kein Hochgebirgsfrösteln… einfach Sonne pur. Ich glaube, sie hat innerlich einen kleinen Freudentanz gemacht.
Cafayate selbst ist ein gemütlicher, sonniger Ort mitten im Weintal. Hier reiht sich ein Weingut ans nächste und überall gibt es kleine Bodegas – das sind Weinbars oder Ausschänke, in denen man die lokalen Tropfen probieren kann. Und Cafayate ist nicht irgendeine Weinregion: Sie ist bekannt für ihren Torrontés, einen weißen, fruchtigen Wein, der nur hier in dieser Qualität und Intensität wächst. Das Klima ist trocken, die Sonne scheint fast jeden Tag, und die Nächte sind kühl – perfekte Bedingungen für Weinreben.
Unsere zwei Tage hier fühlten sich fast an wie ein kurzer Urlaub im Urlaub. Wir sind viel zu Fuß unterwegs gewesen, haben uns treiben lassen und einfach die Stimmung eingeatmet. Das warme Frühlingswetter hat die Weinfelder in ein richtiges Postkartenmotiv verwandelt: frische grüne Blätter, lange Reihen voller Reben und dahinter die rötlich leuchtenden Berge der Anden. Wir konnten gar nicht genug davon bekommen.
Natürlich durfte der obligatorische Weingenuss nicht fehlen. In der Bodega Nanni, einem der ältesten ökologisch arbeitenden Weingüter in Cafayate, haben wir eine kleine Weinverkostung gemacht. Die Weine waren so gut, dass wir ohne lange zu überlegen eine Flasche mitgenommen haben. Später ging es ins Weinmuseum, das überraschend modern war. Nach der Führung gab es – wie könnte es anders sein – wieder eine kleine Verkostung. So lässt sich’s reisen.
Was uns besonders gefallen hat, war die entspannte Atmosphäre. Alles wirkt kleiner, ruhiger, wärmer und persönlicher als in den größeren Städten. Die Leute sind freundlich, man wird schnell angelächelt, und die Sonne macht ohnehin alle ein bisschen glücklicher. Cafayate war für uns ein Ort zum Genießen – von Landschaft, Wein und gutem Wetter.
Nach ein paar Gläsern Wein, einer Menge Sonne und sehr viel grünem Frühling in den Reben mussten wir dann irgendwann wieder weiterziehen. Aber Cafayate bleibt uns definitiv als kleine Wohlfühloase in Erinnerung.
Grüße aus den Weinreben,
Andi